Zukunftskongress: Seehofer will Digitalisierung „deutlich anschieben“

Der Zukunftskongress Staat & Verwaltung ist seit 2013 die Leitveranstaltung des öffentlichen Sektors für digitalen Wandel. Unter dem Motto „Deutschland und Europa erfolgreicher und lebenswerter machen!“ kamen vom 27. bis 29. Mai rund 2.000 Teilnehmende, 350 Referenten und 93 ausstellende Organisationen im bbc am Berliner Alexanderplatz zusammen. Anwesende diskutierten vor allem die Umsetzung von Digitalisierungsmaßnahmen in der Verwaltung – und hinterfragten kritisch.

Die Schirmherrschaft des 7. Zukunftskongresses übernahm das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat. Mit einer Keynote und einer Podiumsdiskussion zum Thema „Starke Strukturen für Staat und Verwaltung“ wandte sich auch Bundesinnenminister Horst Seehofer an das Publikum. Seine Botschaft: „Verwaltungsverfahren werden schneller und nutzerfreundlicher ausgestaltet, bleiben aber sicher und zuverlässig.“

Die Ziele sind hoch

Wie lässt sich eine Kultur schaffen, die Beschäftigte motiviert, digitale Möglichkeiten für Arbeitsprozesse voll auszuschöpfen? Diese Frage entfachte viele Diskussionen rund um den digitalen Wandel in der Verwaltung. Bei zahlreichen Panels und Vorträgen teilten Speaker ihre Erfahrungen aus aktuellen Projekten. So auch Dr. Helma Hagen, Referatsleiterin Organisation und E-Government am Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen. Sie will bis 2020 komplett digital und papierfrei arbeiten können. Dafür sei es wichtig, die Mitarbeitenden bei diesem Vorhaben abzuholen. Ein neues Tool einzuführen, ohne den Mitarbeitenden das nötige Know-how zu vermitteln, reiche nicht aus.

Zu der Frage, wer den Wandel initiieren soll, bezog Dr. Alexander Dietrich, Berufsmäßiger Stadtrat, Personal- und Organisationsreferent der Landeshauptstadt München, klar Stellung: „Für mich ist die Digitalisierung absolute Chefsache. Natürlich brauchen wir auch willige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Aber grundsätzlich muss das nach dem Top-Down-Prinzip funktionieren. Ohne dass wir an der Spitze von Organisationen das Thema Digitalisierung vorantreiben, geht es nicht.“

Digitaler Kulturwandel – nur ein Märchen?

Kritische Stimmen gab es beim diesjährigen Zukunftskongress einige. Auch Johannes Ludewig, Vorsitzender des Nationalen Normenkontrollrats (NKR) verdeutlichte: „Wie kann es sein, dass wir seit zehn Jahren reden und im Vergleich zu anderen immer noch ziemlich am Anfang stehen? Und das in einem Industrieland wie Deutschland?“

Dr. Sven Egyedy, Chief Technology Officer im Auswärtigen Amt, wies auch auf die Schwierigkeiten hin, die der Kulturwandel mit sich bringe: „Es prasseln sehr heterogene Erwartungen und Veränderungswünsche auf uns ein. Es ist schwierig, wenn man versucht, das alles zu berücksichtigen.“

Der Kongress zeigte vor allem eines: Pläne für die Digitalisierung gibt es viele – an der praktischen Umsetzung hapert es nach wie vor. Innenminister Horst Seehofer will daher die Herausforderungen durch Digitalisierung und Automatisierung endlich angehen. Er versprach in seiner Rede: „Wir werden da jetzt deutlich anschieben.“ Das 2017 in Kraft getretene Onlinezugangsgesetz (OZG) soll bereits einiges ändern. Es sieht vor, hunderte Verwaltungsleistungen zu digitalisieren – bis zum Jahr 2022. Viele Experten halten diesen Zeitraum für äußerst optimistisch.

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Titelfoto: © Wegweiser Media & Conferences GmbH Berlin (Simone M. Neumann)