THINK Blockchain: BWI zeigt Technologieexperiment in San Francisco

Höchstes internationales Niveau: Auf IBMs Flagship Technology Conference THINK in San Francisco gab die BWI unter anderem einen Einblick in ein innovatives Blockchain-Experiment bei der Bundeswehr.

Die THINK-Konferenz von IBM ist für innovationsbegeisterte IT-Experten so etwas wie die Internationale Automobilausstellung für Autofans. Vom 11. bis 15. Februar trafen die weltweit wichtigsten Anbieter in San Francisco auf die Vordenker der Branche, um Ideen auszutauschen und Prototypen zu präsentieren. Was die Veranstaltung von anderen IT-Konferenzen abhebt, ist ihr Fokus auf konkrete Anwendungsfälle. Statt reiner Theorie und Vision sehen Besucher hier anhand realer Beispiele, wie innovative Technologien bereits genutzt werden.

Neben Multi-Cloud und künstlicher Intelligenz gehörte erneut Blockchain zu den zentralen Themen des Events in diesem Jahr. Noch immer loten viele Unternehmen und Organisationen erste Ideen aus, wie sich die Technologie für vertrauenswürdige, sichere Transaktionen nutzbringend einsetzen lässt. Andere wiederum haben schon produktive Lösungen. Von der BWI konnten sich die Besucher vor Ort inspirieren lassen. Jens Muschner, Leiter Innovation Management der BWI, und Frank Hornbach, Executive Architect des Bereichs, erläuterten vor internationalem Publikum, wie die Blockchain-Technologie für die Bundeswehr genutzt werden kann.

Fuhrparkmanagement: Experimentelles Stadium, praktische Erfolge

Bereits 2017 hat das Innovation Management der BWI damit begonnen, Blockchain-Szenarien im militärischen Umfeld zu evaluieren. Im vergangenen Jahr folgten dann die ersten Experimente – mit dem Fuhrparkmanagement für die Bundeswehr.

Dafür arbeitete das Team eng mit IBM und dem BwFuhrparkService zusammen, denn der Mobilitätsanbieter der Streitkräfte möchte die Digitalisierung in diesem Bereich engagiert vorantreiben.

Bits statt Stempel

Möglichkeiten dafür gibt es genug, denn die Prozesse im Fuhrparkmanagement sind komplex und laufen trotz diverser IT-Systeme noch in vielen Fällen manuell und analog. Das geht schon beim Fahrauftrag mit Stempel und Unterschrift los. „Ohne dieses Stück Papier darf kein Fahrzeug der Bundeswehr eine Liegenschaft verlassen“, so Muschner.

Was steckt hinter Blockchain?

Bereits 2017 haben wir in unserem Blog die Hintergründe und das Potenzial der Blockchain-Technologie erörtert. Mehr dazu in unserer dreiteiligen Reihe:

Mit einem Demonstrator namens „Digital um den Block“ untersuchte sein Team, wie sich die Bestellung von militärischen und zivilen Fahrzeugen durch eine Blockchain vereinfachen ließe. Innerhalb von sechs Wochen stand die Infrastruktur inklusive Mobile App bereit.

„Der BwFuhrparkService ist offen für Innovation und voller Ideen. Dadurch konnten wir so schnell Ergebnisse erzielen.“

Jens Muschner, Leiter Innovation Management, BWI

Bundeswehrangehörige können mit dieser Anwendung Fahrzeuge anfordern – Führerschein und der Nachweis nötiger Einweisungen werden dabei digital hinterlegt. Der Flottenmanager hat so alle Dokumente sofort vorliegen und gibt per App die Ausgabe frei. Per Push Notification erfährt der Antragsteller davon in Echtzeit.

An Checkpunkten kann die Militärpolizei (Feldjäger) zur Fahrer- und Fahrzeugkontrolle ebenfalls alle digitalen Dokumente noch einmal prüfen. Der Verzicht auf Papier senkt den Verwaltungsaufwand erheblich, beschleunigt den Gesamtprozess und vermeidet Fehlerquellen. Die Blockchain-Technologie macht eine unerkannte Manipulation zudem unmöglich.

Viele Ideen in der Pipeline

Die erste Phase des experimentellen Projektes hatte die BWI noch Mitte 2018 abgeschlossen. Inzwischen läuft die nächste. „Es entwickelt sich zu einem Leuchtturmprojekt“, sagt Muschner. Ziel ist es, digitale Identitäten für jedes Fahrzeug der Bundeswehrflotte zu erstellen und zugleich erforderliche Berechtigungen – wie Führerschein oder Fahrzeugeinweisung – in Form von digitalen Zwillingen (Digital Twins) abzubilden. Dabei geht es nicht mehr allein um die Blockchain: Auch künstliche Intelligenz und die Vernetzung mit dem Internet der Dinge kommen ins Spiel. So muss heute beispielsweise noch der Kilometerstand bei jeder Fahrt manuell notiert werden. Per IoT-Technologie und Cloud-Software ließe sich das automatisieren. „Mithilfe von Sensoren könnten wir auch den Zustand des Fahrzeugs dokumentieren und so die Wartungs- und Instandhaltungsprozesse weiter optimieren“, erklärt Frank Hornbach ein Beispiel. So würde etwa ein Fahrzeug mit Auffälligkeiten nicht mehr neu vergeben, sondern direkt in den Wartungsprozess eingesteuert. „Wir haben gerade mit der Konzeptphase des Projekts begonnen“, sagt Hornbach. „Ideen gibt es schon viele. Wir werden genau evaluieren, welche sinnvoll und gewinnbringend umsetzbar sind.“

So wäre es – zumindest theoretisch – möglich, die Kontrolle an Checkpoints ebenfalls zu automatisieren. Machine-Learning-Algorithmen würden per Sensorik sowohl das Kennzeichen eines Fahrzeugs als auch den Fahrer identifizieren und abgleichen, ob die Genehmigungen vorliegen, bevor die Schranke öffnet. „Die Technologie lässt viele Hürden verschwinden“, sagt Muschner. „Die Frage ist jedoch, welche ‚Hürden‘ wir weiterhin benötigen. Schließlich sind bei der Bundeswehr neben dem Datenschutz auch militärische Sicherheitsanforderungen zu berücksichtigen“, sagt Muschner.

Der Schlüssel: Technologien kombinieren

Auf der THINK konnten Muschner und Hornbach nicht nur das BWI-Projekt vorstellen, sondern auch viele Anregungen für die weitere Arbeit mitnehmen. Beispielsweise vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, das gerade an einer Blockchain-basierten Lösung zur Verbesserung der Zusammenarbeit im Asylprozess arbeitet.

Nach fast fünf Tagen Konferenz mit vielen Vorträgen und einer breit angelegten Ausstellung ist klar, dass die Zukunft in der Verknüpfung innovativer Technologien liegt. Künstliche Intelligenz, Big Data Analytics, Deep Learning, Blockchain, IoT und Co. lohnen sich vor allem im Zusammenspiel. Und es darf keine Grenzen geben, wie und wo diese Services verfügbar sind. Genau hier verfolgt zumindest IBM nun ganz neue Ansätze – und fordert damit den Markt heraus. Marktgängige Lösungen für Cloud und KI waren bis auf wenige Ausnahmen nur „off-premises“ verfügbar – die Infrastruktur und der Service wurden also aus den Rechenzentren der Anbieter, wie IBM, Microsoft, Google oder Amazon, erbracht. Nun stehen mit den Slogans „Multicloud“ und „Watson everywhere“ vollmundige Versprechen seitens IBM im Raum, diese Limitierung aufzuheben. Es wird spannend sein zu sehen, wie das der Markt aufnimmt – und ob aus den Versprechen auch schnell konkrete Produkte erwachsen, die uneingeschränkt „on-premises“ nutzbar sind – also auf den eigenen Servern im eigenen Rechenzentrum.

„In San Francisco wurde deutlich, wie viele sinnvolle Use-Cases innerhalb kurzer Zeit weltweit entstanden sind, die auch für die Bundeswehr interessant sein dürften.“

Frank Hornbach, Executive Architect im Innovation Management, BWI

Fast schon untergegangen ist die Demonstration einer völlig neuen Entwicklungsstufe künstlicher Intelligenz. Das Projekt „Debater“ hat auf der Bühne bewiesen, dass ein KI-basiertes System dem Menschen auch bei Debatten und Diskussionen nahezu ebenbürtig sein kann. Noch hat es nach Wertung der Zuschauer unterlegen. Schon bald aber vielleicht nicht mehr.

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Titelfoto: © IBM
Weitere Fotos: © BWI

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