Status quo: Digitales Verwaltungsportal für Bund, Länder und Kommunen

Bis 2022 sollen weit mehr als 500 Verwaltungsleistungen digital angeboten werden. Bund, Länder und Kommunen arbeiten kooperativ daran, eine zentrale Online-Plattform und die Leistungen selbst umzusetzen. Digitalisierungslabore laden Bürger ein, an der Entwicklung teilzuhaben.

„Nur, wer vom Weg abkommt, bleibt nicht auf der Strecke.“ Mit diesen Worten resümierte Hans-Henning Lühr seinen Vortrag über die Digitalisierung der Verwaltung auf dem Digitalen Staat 2019. Der amtierende IT-Planungsratsvorsitzende und Staatsrat der Stadt Bremen gab einen Überblick über die aktuelle Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes (OZG) und berichtete dabei über den Portalverbund und die Leistungen, die die öffentliche Verwaltung künftig digital anbieten wird.

Digitalisierungslabore entwickeln Prototypen

Das Onlinezugangsgesetz nimmt Bund, Länder und Kommunen in die Pflicht, bis Ende 2022 weit über 500 Verwaltungsleistungen online anzubieten. Um diese Menge in überschaubaren Arbeitspaketen zu bündeln, wurden die Leistungen auf 14 Themenfelder aufgeteilt. In jedem Themenfeld arbeiten ein Bundesressort und ein Bundesland zusammen. Sie entwickeln als gleichberechtigtes „Tandem“ eine Lösung, die auf einer Plattform implementiert wird und die dann von anderen Ländern und Kommunen genutzt werden kann. „Da die Kommunen rund 75 Prozent aller digitalen Verwaltungsleistungen stemmen, sei es besonders wichtig, auch diese mit ins Boot zu holen“, betonte Hans-Henning Lühr. Über 300 Kommunen arbeiten derzeit mit Bund und Ländern zusammen.

Stand April 2019 sind 19 Digitalisierungslabore in den 14 Themenfeldern gestartet, um digitale Verwaltungsleistungen auf den Weg zu bringen. Besonders ist, dass Bürger beteiligt sind. Deren Erfahrungen und Wünsche fließen in die Entwicklung der Prototypen ein. Dazu bilden sie mit Experten für User Experience und Verwaltungsmitarbeitern interdisziplinäre Teams.

Digitales Verwaltungsportal für Bund, Länder und Kommunen

Bund, Länder und Kommunen sollen bis Ende 2022 nicht nur Verwaltungsleistungen digital anbieten, sondern auch ihre Verwaltungsportale zu einem Portalverbund zusammenführen. Die Idee ist zum einen, alle digitalen Portale intelligent miteinander zu verknüpfen. Zum anderen sollen Nutzern – unabhängig davon, auf welchem Verwaltungsportal sie einsteigen – eine einfache Handhabe ihrer Anträge und Formalitäten ermöglichen. „Daher ist die konsequente Teilhabe der Bürger an der Entwicklung von Dienstleistungen in den Digitallaboren unverzichtbar“, erläuterte Hans-Henning Lühr dazu.

Eine Betaversion des künftigen Portals ist schon heute online. Ob Geburt, Bauen und Wohnen oder Arbeit und Beruf – die Portalseite zeigt Bereiche, in denen künftig digitale Leistungen angeboten werden und auf welchen Gebieten bereits Onlineservices bestehen.

Über ein Nutzerkonto soll es Bürgern und Unternehmen möglich sein, Leistungen wie Gewerbeanmeldung, BAföG oder Kindergeld einfach und sicher zu beantragen. Sie müssen dabei ihre Daten nur einmal angeben und die Verwaltungen tauschen diese untereinander aus. Zudem soll ein elektronisches Postfach die Kommunikation mit der zuständigen Behörde vereinfachen.

Ein Online-Gateway ist gerade in Arbeit, über das Bürger und Unternehmen die Leistungen aufrufen können. Es dient im Portalverbund als Vermittlungsinstanz, an das sich Bund, Länder und Kommunen mit ihren Verwaltungsportalen anschließen. Ein sogenanntes Diensteverzeichnis registriert dabei alle Leistungen, damit jedes Angebot gefunden werden kann. Ein intelligentes Backend übernimmt die Kommunikation zwischen der Onlineleistung und den Prozessen, die in den Behörden entsprechend dazu laufen.

Sichere Netzinfrastrukturen für die digitale Verwaltung

Für ein sicheres Serviceportal sind auch sichere Netzinfrastrukturen wichtig. Jede Verwaltung benötigt für ihre Tätigkeiten IT-Verfahren und als Grundlage sichere, leistungsfähige Systeme. In den Verwaltungen sind die Systeme unterschiedlich schnell an neue Standards angepasst und die Anforderungen an Sicherheit sind beständig gewachsen.

Das Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat hat es sich deshalb zum Ziel gesetzt, einen übergreifenden Netzverbund für die gesamte öffentliche Verwaltung zu schaffen. Bund, Länder und Kommunen sollen von einem sicheren, hochverfügbaren Netz profitieren können, an dem auch IT-Dienstleister wie die BWI mitwirken. In einem ersten Schritt sollen die Weitverkehrsnetze der Bundesverwaltung konsolidiert und das leistungsstarke IPv6-Protokoll flächendeckend eingeführt werden. Dabei wird die Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisation mit Sicherheitsaufgaben (BDBOS) als Netzbetreiberin agieren, die bereits heute das Kern-Transportnetz-Bund betreibt und es als zentrale Transportplattform ausbauen wird.

Kooperatives Vorgehen, Standardisierung und Dezentralisierung sind wichtige Treiber für das groß angelegte Digitalisierungsprojekt von Bund, Ländern und Kommunen.

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Foto Smartphone: © ipobpa/iStock
Screenshot: © www.beta.bund.de
Montage: © BWI

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