Verwaltung 2022: Auf dem Weg zum Portalverbund

Mit dem Portalverbund wollen Bund, Länder und Kommunen alle wichtigen Verwaltungsdienstleistungen digitalisieren. Wie aber gelingt ein so groß angelegtes Digitalisierungsprojekt bei rund 7.000 Verfahren und bundesweit 60.000 behördlichen Stellen?

Die öffentliche Verwaltung ist auf dem Weg ins 21. Jahrhundert. Basis dafür sind die „Digitale Agenda 2020“ und das E-Government-Gesetz, das die Verwaltung Schritt für Schritt elektronischer machen soll. Mit dem Onlinezugangsgesetz, das im August 2017 festgeschrieben wurde, verpflichten sich Bund, Länder und Kommunen, ihre Online-Verwaltung zu einem Portalverbund zusammenzuführen. Bis 2022 soll die gemeinsame digitale Verwaltungsplattform im Einsatz sein. Bürger und Unternehmen sollen Services aller Verwaltungsebenen unabhängig von Zeit und Ort nutzen können.

Zunächst einmal sollen die 100 Verwaltungsdienstleistungen digitalisiert werden. Bund, Länder und Kommunen sind dabei gleichermaßen in der Verantwortung. Doch es geht um weit mehr: Tausende von Services, die bundesweit bei rund 60.000 Ämtern verortet sind, müssen strukturell, technisch und datenschutzrechtlich organisiert werden.

„Bis 2022 dürfen wir keinen Flickenteppich an digitalisierten Verwaltungsdienstleistungen mehr haben.“

Prof. Dr. Jörn von Lucke

Laut Prof. Dr. Jörn von Lucke, Direktor des Lehrstuhls für Verwaltungs- und Wirtschaftsinformatik an der Zeppelin-Universität Friedrichshafen, sind in den kommenden Jahren erhebliche Investitionen in die öffentliche Infrastruktur und die Weiterentwicklung digitaler Anwendungsfelder notwendig. „Ein Gebietskörperschaftsverzeichnis ist ein zentraler Schritt, um die 11.000 Gebietskörperschaften in Deutschland eindeutig zu erschließen“, betonte Lucke in seinem Vortrag „Herausforderung Portalverbund“ auf dem Fachkongress Digitaler Staat. Ebenso wichtig sei ein Leistungsverzeichnis für die 7.000 Verwaltungsdienstleistungen von Bund, Ländern und Kommunen, gefolgt von einem Einrichtungsverzeichnis, das die zuständigen Stellen den Dienstleistungen zuordnet. Auch mobile Anwendungen müssen mittelfristig in alle Verwaltungsdienstleistungen integriert werden.

Ein Onlinekonto für alle Dienstleistungen der Verwaltung

Bürger und Unternehmen sollen einen nutzerfreundlichen, schnellen und vor allem sicheren Zugang zu Verwaltungsdienstleistungen erhalten. Langes Suchen nach Zuständigkeiten, Öffnungszeiten oder Formularen sollen der Vergangenheit angehören. Ein Onlinekonto wird dabei einen einfachen und medienbruchfreien Zugang zu den Dienstleistungen ermöglichen.

Vielversprechend ist die Once-only-Funktionalität. Dabei müssen Unternehmen und Bürger ihre Daten nur einmal an die Verwaltung übermitteln. Wenn eine Behörde diese Informationen benötigt, tauscht sie die Daten einfach aus. Für jeden Nutzer soll zudem transparent ersichtlich sein, welche Daten beim Staat gespeichert sind und welche Behörden auf diese zugegriffen haben.

So funktioniert der Portalverbund

Portalverbund im Spannungsfeld von Ressourcen und Modernisierung

Um den Portalverbund Wirklichkeit werden zu lassen, müssen die Verantwortlichen kooperativ handeln. Ob Bund, Länder oder Kommunen ­– jede Verwaltungsebene ist angehalten, Ressourcen freizumachen und die Veränderung zu digitalen Prozessen aktiv in die Hand zu nehmen. Es gilt, gewachsene Strukturen aufzubrechen und nicht einfach nur bestehende Verwaltungsprozesse zu digitalisieren. Für Bund, Länder und Kommunen heißt das nichts anders, als digitale Services ausgehend von den Bedürfnissen der Bürger und Unternehmen zu entwickeln. Schulungen in den Verwaltungsteams, die Hinzunahme externe Fachberater und agile Projektstrukturen sind wichtige Bausteine dafür.

„Die Digitalisierung der Verwaltung schließt Konsolidierung, Modernisierung und IT-Sicherheit ein.“

Ulrich Meister, ehemaliger CEO, BWI

Damit ein Mammutprojekt wie der Portalverbund gelingt, bedarf es für die BWI weit mehr, als nur die Entwicklung neuer Anwendungen. Der ehemalige BWI-Geschäftsführer Ulrich Meister bezieht dazu eine klare Position: „Wenn die IT-Konsolidierung und die Modernisierung in den Behörden nicht geschafft ist, kann die digitale Transformation kaum gelingen.“ Behörden benötigten moderne Technik und Tools, die kollaboratives Arbeiten unterstützen. Auch müsse die IT-Sicherheit neu gedacht werden – weg von der Prävention hin zu reaktionsfähigen Sicherheitssystemen. Erst wenn alle diese Voraussetzungen geschaffen sind, könne es mit der Digitalisierung weitergehen.

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Titelfoto: © Dmitrii Kharchenko/iStock
Infografik: Inhalt © IT-Planungsrat / Gestaltung © BWI

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