Note: ungenügend – Über die digitale Bildung in Deutschland

Zahlreiche Studien belegen: Die Kompetenz mit digitalen Medien lässt bei deutschen Schülern zu wünschen übrig. Warum ist das so – und welche Konsequenzen hat das? Im ersten Teil unserer Reihe zur digitalen Bildung werfen wir einen Blick auf das Schulsystem.

Die Digitalisierung läuft auf Hochtouren und so ziemlich jedes Unternehmen braucht neue IT-Spezialisten. Vor allem auch, um international wettbewerbsfähig zu bleiben. Doch gerade IT-Fachkräfte sind rar und glaubt man Expertenprognosen, wird sich diese Situation mit dem demografischen Wandel nur noch verschärfen. Hinzu kommt, dass künftig immer mehr Jobs auch digitale Kompetenzen erfordern. Hier hat Deutschland ein Nachwuchsproblem – und ein Grund dafür liegt in der Schulbildung. Denn Digitales spielt dabei vor allem im internationalen Vergleich eine zu kleine Rolle, wie eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung zeigt.

Demnach fehlen einem Drittel der Jugendlichen grundlegende Kenntnisse im Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologien. Gründe dafür nennt die Stiftung natürlich auch: generelle Mängel in der Umsetzung einer Digitalisierungsstrategie, eine unzureichende IT-Ausstattung von Bildungseinrichtungen, kaum Zugang zu digitalen Lehrmaterialien sowie fehlende Fortbildungsmöglichkeiten für Lehrkräfte.

Was bedeutet digitale Bildung überhaupt?

Die digitale Bildung fußt auf zwei Säulen. Zum einen geht es um die reine Kompetenz im Umgang mit Hard- und Software, mit sozialen Medien, mit den eigenen Daten und den damit verbundenen Risiken – vor allem im Netz. Zum anderen ist ein sogenanntes Digital Mainstreaming gefragt, also die Nutzung und Integration digitaler Medien im Unterricht, um damit Probleme und Aufgaben zu lösen.

„Zu guter Bildung im 21. Jahrhundert gehören IT-Kenntnisse und der souveräne Umgang mit der Technik und den Risiken digitaler Kommunikation ebenso wie das Lernen mittels der vielen neuen Möglichkeiten digitaler Medien.“

– Prof. Dr. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung

Probleme der Digitalisierung des Bildungsbereichs

Das Kompetenzzentrum Öffentliche IT kommt in einem Diskussionspapier zur Digitalen Bildung zu dem Schluss, dass viele Lehrkräfte einem digitalen Mainstreaming deutlich positiv gegenüberstehen. Doch noch seien grundlegende Fragen zu klären: Wie verändern sich Lernkonzepte im Digitalen? Wie wirkt sich das auf Leistungsanforderungen und -bewertungen aus? Wie lassen sich die rasanten technologischen Entwicklungen berücksichtigen, ohne einerseits blind Hypes hinterherzulaufen und andererseits keine wichtigen Trends zu verpassen?

Besonders die Schnelligkeit der Digitalisierung ist für den Bildungssektor ein schwer zu fassendes Problem, das inkompatibel scheint zu starren Lehrplänen und den unterschiedlichen Auffassungen der Länder. Immerhin veröffentlichte die Kultusministerkonferenz 2016 eine Strategie zur Bildung in der digitalen Welt, in der alle 16 Bundesländer gemeinsame Ziele und ein inhaltliche Ausrichtung formulierten. Ein wichtiger Schritt, um die Medienqualifizierung in der schulischen Ausbildung und bei Lehrkräften zu fördern.

Dr. Ulf Frank Kerber von der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe kritisiert in einer Stellungnahme jedoch, dass darin zentrale Begriffe wie „Bildung“, „Medien“ und „Bildung in der digitalen Welt“ nicht eindeutig definiert werden und eine Abgrenzung von „Informatik“ und „Informatikkompetenz“ nicht thematisiert wird. Das mag auf den ersten Blick Wortklauberei sein. Es kann aber auch passieren, dass die digitale Strategie so in eine falsche Richtung läuft. Auch die Friedrich-Ebert-Stiftung bemängelt, dass im aktuellen Strategiepapier die informatische Grundbildung und Kompetenzen im Verstehen und Anwenden von Algorithmen zu wenig berücksichtigt werden.

„Bildung in einer mediatisierten, digital vernetzten Welt muss aus technologischer, gesellschaftlich-kultureller und anwendungsbezogener Perspektive in den Blick genommen werden und ein Lernen über und mit Medien ermöglichen.“

– Dr. Ulf Frank Kerber, Pädagogische Hochschule Karlsruhe

Zum Kern vordringen: Lehramtsstudiengänge optimieren

Digitale Bildung fängt nicht erst in den Schulen an – sondern schon beim Lehramtsstudium. Im Monitor Digitale Bildung konstatiert die Bertelsmann Stiftung, dass besonders die Lehramtsstudenten wenig digital-affin seien und die Möglichkeiten digitalen Lernens im Vergleich zu anderen Fächergruppen am wenigstens nutzen würden. Medienbezogene Anteile würden im Studium vernachlässigt und nicht in die Fachdidaktik integriert. Das müsse sich ändern, um angehende Lehrer für eine verantwortungsbewusste und fachspezifische Auseinandersetzung zu gewinnen.

Handlungsfelder erkennen und Strategien entwickeln

Es ist also höchste Zeit, die Bildung umzustellen. Denn im Zuge der digitalen Transformation wird entsprechendes Know-how von jedem erwartet – nicht nur von IT-Experten. Manche Professoren und Wirtschaftsweisen meinen sogar, programmieren zu können sei heute ebenso wichtig, wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Was an dieser These dran ist, beleuchten wir im zweiten Teil unserer Serie zur Digitalen Bildung.

Titelbild: © Rawpixel.com/shutterstock
Foto Johanna Wanka: © Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

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