Kino wird Realität? Science-Fiction in der Verbrechensbekämpfung

Filme wie RoboCop und Minority Report haben vor Jahren Visionen einer aufgerüsteten Strafverfolgung gezeichnet. Welche der technischen Innovationen sind inzwischen Realität geworden?

Vorab: Ganz so futuristisch wie in den Science-Fiction-Klassikern sind die heute verfügbaren Technologien noch nicht. Gut so, denn wer möchte schon aufgrund einer bloßen „Verbrechensvorhersage“ verhaftet oder von einem Softwarealgorithmus verurteilt werden? Vielmehr geht es heute darum, Strafverfolgungsbehörden bei ihrer Arbeit technisch zu unterstützen. Und dazu gehören auch jetzt schon Roboter, künstliche Intelligenz und High-Tech-Geräte.

Verbrechen berechnen

Predictive Policing heißt die Methode, bei der eine Software mithilfe von Wahrscheinlichkeiten berechnet, wo beispielsweise der nächste Einbruch geschehen wird. Die Informationen dienen jedoch ausschließlich der Prävention, indem etwa die Polizeistreifen in einem bestimmten Gebiet verstärkt werden. Verhaftungen lassen sich damit in Deutschland nicht veranlassen, hierfür muss der Täter nach wie vor auf frischer Tat ertappt und verurteilt werden.

Wesentlich drastischer geht es hingegen in anderen Länder zu, allen voran China. Derzeit werden chinesische Polizisten testweise mit Datenbrillen zur Gesichtserkennung ausgestattet: Die können nicht nur Bürger identifizieren, sondern auch gleich zahlreiche Zusatzinfos ins Sichtfeld einblenden, beispielsweise die Adresse einer Person. Dank künstlicher Intelligenz lassen sich die Datenmengen in kurzer Zeit auswerten und hinsichtlich verdächtiger Personen analysieren. Der Fahndungsnutzen dieser Technologie ebnet aber gleichzeitig auch den Weg zum absoluten Überwachungsstaat.

Wie ist die Lage in Deutschland? Auch hier besteht ein Interesse für automatische Gesichtserkennung im öffentlichen Raum, wie es bereits in Berlin am Bahnhof Südkreuz getestet wird. Die Überwachungskameras scannen die Gesichter der Passanten und schlagen Alarm, sobald sie eine der 300 freiwilligen Testpersonen entdecken. Privatsphäre und Datenschutz haben hierzulande allerdings einen höheren Stellenwert und gesetzlichen Anker als im kommunistisch geprägten China.

C-3PO und R2D2 rollen durch Dubai

Wesentlich cineastischer geht es im Bereich der Robotik zu: In Dubai ist der erste „RoboCop“ unterwegs. Auch wenn er menschliche Züge hat, ist sein Einsatzgebiet sehr eingeschränkt – als eine Art Servicemitarbeiter wird er an öffentlichen Plätzen stationiert. Über ein Display auf seiner Brust können Bürger zum Beispiel Straftaten melden. Einen Kollegen hat er auch schon: einen kleinen Sicherheitsroboter auf vier Rädern. Das autonome Fahrzeug erinnert jedoch mehr an R2D2 aus Star Wars als an einen Menschen. Mit Kameras, Scannern und einer eigenen Drohne für Verfolgungen patrouilliert er durch die Straßen und dient vor allem dazu, verdächtige Personen oder Gegenstände aufzuspüren. Auch in China sind ähnliche Roboter bereits im Einsatz, die neben einer Gesichtserkennung gar mit einem Elektroschocker ausgestattet sind und zur Überwachung dienen.

Roboter werden sicher in Zukunft vermehrt in der Polizeiarbeit eingesetzt werden – momentan geht es aber um wenig mehr als um Testverfahren und gut platzierte Marketing-Gags. Schon länger sind manuell gesteuerte Roboter jedoch bei der Bombenräumung im Einsatz oder zum Auskundschaften von Gefahrenorten und -situationen.

Polizeiarbeit nutzt 3D-Druck

Neben IT und Robotik liefert auch die Industrie neue Technologien, die ihren Einsatz in der Kriminologie finden. So erweist sich der 3D-Druck nicht nur in der Fertigungsbranche als nützlich, sondern hilft auch bei der Aufklärung von Verbrechen. Durch exakte Nachdrucke von Schädeln lassen sich Gesichter rekonstruieren, durch Replikate von Knochenfragmenten und Beweisstücken werden die Originale vor Schäden geschützt. 3D-Scanner und virtuelle Realitäten wurden in Stuttgart erfolgreich eingesetzt, um in einer „Highend-Höhle“ einen Tatort dreidimensional zu rekonstruieren. Dadurch lässt sich zum Beispiel die Schussbahn einer Pistolenkugel nachvollziehen. Die Schattenseite der 3D-Druck-Technologie: Auch Kriminelle nutzen das Verfahren zunehmend, um etwa Waffen aus Materialien zu drucken, die von Detektoren nicht erkannt werden.

Das Tablet als Freund und Helfer?

Weit weniger nach Zukunftsmusik klingen mobile Geräte wie Tablets für den Austausch und die Dokumentation von Informationen. Trotzdem ist diese Art der mobilen Polizeitechnologie gerade erst auf dem Vormarsch. Noch benötigen die Fahnder zahlreiche Einzelgeräte, um Fingerabdrücke abzugleichen, Stimmenprofile zu erstellen oder Zeugenaussagen zu dokumentieren. In Zukunft soll das alles auf einem netzfähigen, handlichen Gerät mit speziellen Apps gebündelt sein.

Während also Pilotprojekte demonstrieren, wozu die Technik von heute bereits genutzt werden kann, steckt die wesentliche Arbeit an ganz anderer Stelle. Erst die konsequente Einführung und Weiterentwicklung von Basistechnologien wird die Verbrechensbekämpfung flächendeckend auf einen Standard heben, der dem digitalen Zeitalter angemessen ist. Und wenn dieses Ziel einmal erreicht ist, brauchen wir von RoboCops wahrscheinlich gar nicht mehr reden.

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Fotos: © PhonlamaiPhoto/iStock

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