KI im Einsatz bei der Bundeswehr

Künstliche Intelligenz: Kaum ein Begriff löst zurzeit so heftige Diskussionen aus, weckt Begehrlichkeiten und Bedenken. Großen Chancen, wie etwa weniger Unfälle dank autonomer Fahrzeuge, stehen Gefahren durch fehlerhafte oder missbräuchliche Nutzung entgegen. Als IT-Systemhaus und Digitalisierungspartner der Bundeswehr befasst sich die BWI mit Potenzialen und Problemen von KI.

Künstliche Intelligenz (KI) kann selbstständig Rückschlüsse aus Daten ziehen und auf dieser Grundlage Vorhersagen treffen, Entscheidungen unterstützen, Sprachen verstehen und vieles mehr. Selbstlernende Systeme entlasten Menschen, die sich auf wichtige Kernaufgaben konzentrieren können. Deshalb beschäftigen sich die deutschen Streitkräfte intensiv mit KI. An ihrer Seite steht die BWI.

Was ist KI, was kann sie und was ist in Zukunft möglich?

KI bezeichnet – grob gesagt – Programme, die mittels Daten lernen. Bei künstlicher Intelligenz muss man zwischen starker und schwacher KI unterscheiden. Schwache KI bezeichnet Algorithmen, die sich auf ein spezielles Problem konzentrieren und nur mit Situationen umzugehen haben, auf die sie vorbereitet sind. Starke KI meint dagegen eine allumfassende Quelle des Wissens, die wie ein Mensch denken und agieren kann. Derzeit gehen Experten davon aus, dass es frühestens in 30 bis 40 Jahren eine starke KI geben könnte. Anders sieht es bei der schwachen, also vergleichsweise einfachen KI aus. Schon heute steckt sie in vielen alltäglichen Anwendungen. Die Suchmaschine Google ist das prominenteste Beispiel. Auch die Spracherkennung von Siri, Alexa oder von Navigationssystemen zählt dazu, genauso wie Lösungen in Medizin und Wissenschaft oder etwa im Bereich des autonomen Fahrens.

Künstliche Intelligenz – ihre Stärken und Schwächen

Unschlagbar und dem Menschen um ein Vielfaches überlegen ist KI, wenn es darum geht, schnell viele unstrukturierte Daten auszuwerten. Unstrukturierte Daten sind Informationen, die in einer nicht formalisierten und nicht zusammenfassbaren Datenstruktur vorliegen, wie zum Beispiel Texte, Bilder oder Audio- und Videodateien. Eine selbstlernende Maschine kann aber nur das leisten, was der Mensch ihr antrainiert. Und: KI ist heute rein datengetrieben. Regungen wie Empathie, Moral oder Humor sind ihr fremd. Genau darin liegt auch die größte Limitierung: Künstliche Intelligenz kann zwar eine Vorauswahl treffen und Menschen dadurch eine Entscheidungshilfe bieten, sie hat jedoch selbst kein Verständnis der Welt. Die Entscheidung selbst, mit all ihren moralischen, rechtlichen und sozialen Implikationen, muss dem Menschen überlassen werden.

BWI erprobt KI-Lösungen für die deutschen Streitkräfte

Bei der Bundeswehr ist künstliche Intelligenz bereits weit mehr als graue Theorie. Ein Beispiel für den Einsatz von KI bei den deutschen Streitkräften ist das gemeinsame Lagezentrum des Kommandos Cyber- und Informationsraum (GLZ KdoCIR). Hier arbeiten Experten daran, militärische Lagebilder zu erstellen, die alle relevanten Aspekte des Cyber- und Informationsumfelds betrachten und in einen Zusammenhang miteinander setzen. Das KI-basierte System, das sie dabei unterstützt, sammelt strukturierte und unstrukturierte Daten aus verschiedenen Quellen, zum Beispiel aus Betriebsdaten und Lageberichten der Bundeswehr, aber auch aus öffentlich zugänglichen Informationen, wie sie im Internet verfügbar sind. Der Mehrwert und Informationsvorsprung ergeben sich aus der Auswertung und Korrelation der einzelnen Teillagen. So sollen unter anderem auch bessere Vorhersagen über Bedrohungen möglich sein. Seit 2018 betreut die BWI das GLZ KdoCIR. Das aus diesem Engagement resultierende Service Package „Data Analytics“ mit den drei Services Data Analytics Platform, Data Mining und Machine Learning wird ab November Teil des Portfolios der BWI.

„Wer sich nicht intensiv und permanent mit dem Thema KI beschäftigt, riskiert Fähigkeitslücken und wird unterliegen.“

Uwe Beyer, Abteilungsleiter im Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS

BWI erprobt Potenziale von KI

Auch abseits dessen prüft die BWI Potenziale von KI. Eines der aktuellen Experimente heißt „Automated Smart Performance Evaluation“. Dabei untersucht das Unternehmen, ob und wie sich Anomalien in Rechenzentren automatisiert identifizieren und sich so Auslastung und Betrieb von Servern verbessern lassen. Bislang können Leistungsengpässe, Performance-Einbußen und Ausfälle nur von Spezialisten in den Rechenzentren, also von Menschen, situativ-reaktiv behoben werden. Voraussagen lassen sich nur begrenzt und nur auf Basis von aufwendigen Analysen treffen, die meist an das Know-how einzelner Wissensträger geknüpft sind. Das soll sich mithilfe von KI ändern. Dadurch werden Experten in der täglichen Arbeit entlastet. Den so gewonnenen Freiraum könnten sie künftig nutzen, um Maschinen zu trainieren und die trainierten Modelle zu bewerten. Ein für die BWI nicht unerheblicher Nebeneffekt solcher KI-Experimente: Die Fähigkeiten des maschinellen Lernens werden erprobt, um Kompetenzen im Unternehmen aufzubauen.

Ein weiteres Experiment der BWI ist derzeit die „Cognitive Technology Roadmap“. Bei Organisationen wie der Bundeswehr sind viele Software-Produkte im Einsatz. Sie alle haben einen bestimmten Lebenszyklus. Für die BWI als Betreiber ist es wichtig, den Überblick zu behalten und die Anwendungen auf dem aktuellen Stand zu halten. Hierbei könnte die Cognitive Technology Roadmap künftig unterstützen. Die Lösung durchsucht verschiedene Quellen im Internet nach Informationen über die betreffenden Software-Produkte, reichert sie mit Herstellerdaten an und ermittelt so das entsprechende Lebensende. All dieses Wissen wird in einer Datenbank zusammengeführt und übersichtlich auf einem zentralen Dashboard grafisch aufbereitet. So sind Verantwortliche im wahrsten Sinne des Wortes stets im Bilde über den Versions- und Lebenszyklus der Software.

Insbesondere auf dem Feld der Datenanalyse verspricht die Nutzung von KI große Vorteile. Es ist zu erwarten, dass Bundesbehörden davon noch weit mehr profitieren könnten als die Bundeswehr. Etwa im Bereich der ressortübergreifenden Zusammenarbeit, könnte eine zentrale Datenplattform eine Vielzahl neuer Nutzungsmöglichkeiten eröffnen.

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Titelfoto: © kanawatvector/iStock

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