Koblenzer IT-Tagung: Digitalisierung aus allen Perspektiven

Einen Besucherrekord konnte am 30. August die zwölfte Koblenzer IT-Tagung verzeichnen. Die Teilnehmer beleuchteten das Thema „Digitale Zukunft – Architekturen. Plattformen. Anwendungen.“ aus verschiedenen Perspektiven. Veranstalter der Tagung sind das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) und das Anwenderforum für Fernmeldetechnik, Computer, Elektronik und Automatisierung Bonn e.V. (AFCEA).

Über 490 Teilnehmer sind ein neuer Besucherrekord

Oberst i.G. Armin Fleischmann, Vorsitzender AFCEA Bonn e.V., und Brigadegeneral Michael Hauschild, Abteilungsleiter I in Vertretung der Leitung BAAINBw, begrüßten die mehr als 490 Gäste. Nach dem Grußwort des Schirmherrn David Langner, Oberbürgermeister der Stadt Koblenz, stand der Tag ganz im Zeichen der Digitalisierung von Bundeswehr und öffentlicher Verwaltung. Die Streitkräfte kämen um diese Entwicklung nicht herum, sagte Benedikt Zimmer, Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium. Nur hätten sie noch nicht alle Auswirkungen auf dem Schirm: Dazu gehörten nach Ansicht des Rüstungsstaatssekretärs neue Anforderungen, Anpassungen an der Personalstärke oder auch die Ausbildung und die Neugestaltung von Prozessen. Künftig müsse man sich davon verabschieden, Lösungen möglichst lange nutzen zu können, weil die technische Entwicklung so schnell voranschreite. Dabei müsse man auch lernen, mit zwangsläufigen Fehlentscheidungen umzugehen und diese zu akzeptieren.

Portalverbund als konkreter Anwendungsfall

Wie eine Digitalisierungsplattform für die Verwaltung aussehen könnte, zeigte Klaus Vitt, Staatssekretär im Bundesministerium des Innern und Beauftragter der Bundesregierung für Informationstechnik. Als Beispiel stellte er dazu den geplanten Portalverbund von Bund, Ländern und Kommunen vor. 575 Verwaltungsleistungen sollen damit bundesweit, auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene, in den kommenden fünf Jahren digitalisiert werden. Um diese Zahl stemmen zu können, gelte das Prinzip „Einer für alle“: Ein Verbundteilnehmer entwickelt eine Lösung, alle anderen können sie nutzen. Für eine bessere Akzeptanz durch die Bürger müsse die öffentliche Verwaltung zum anerkannten Datenbroker werden.

Kevin Scheid, General Manager der NATO Communications and Information Agency, sieht seine Agentur spannenden Zeiten gegenüber, die sie mit Eigenentwicklungen, Unternehmens- und Forschungspartnerschaften meistern will. Auch der Bundesverband der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie e.V. könne sich der Digitalisierung nicht verschließen, stellte sein Hauptgeschäftsführer Dr. Hans Christoph Atzpodien fest. Darum suche der Verband verstärkt nach Mitgliedern aus der IT-Branche und stärke das IT-Know-how in seiner Organisation. Erfreut zeigte sich Atzpodien dabei von der Zusammenarbeit mit dem AFCEA Bonn e.V.

Fachliche und moralische Fragen zur Digitalisierung

Der Nachmittag der Koblenzer IT-Tagung gehörte den fachlich tiefergehenden Podien zum Konferenzthema. Vertreter von Bundeswehr, Ministerium und Unternehmen diskutierten dabei eine bedarfsgerechte IT-Steuerung mittels Architekturen, die Zukunft maritimer Plattformen und die Vorteile der Digitalisierung für die Steuerungs- und Führungsfähigkeit der Bundeswehr.

Einen ganz anderen Blick auf die Digitalisierung warf Dr. Albert Lichtenthal von Proventika, dem Institut für angewandte Hirnforschung und Neurowissenschaften: Wieviel Digitalisierung verträgt das menschliche Gehirn? Auf Basis dieser Frage forderte der Forscher eine „intelligente Digitalisierung“, die die technische Entwicklung positiv mit dem „System Mensch“ zusammenführe.

20.000 Euro für herausragende Studienarbeiten

Nach dem Ende des Fachteils der Tagung unter der Leitung von Brigadegeneral Michael Hauschild, Abteilungsleiter Informationstechnik, BAAINBw, und Generalmajor a.D. Erich Staudacher, AFCEA Bonn e.V, überreichte Dr.-Ing. Michael Wunder, Vorstand AFCEA Bonn e.V., den AFCEA Studienpreis 2018. Damit werden herausragende Studienarbeiten im Themenbereich Informatik, Nachrichten- und Automatisierungstechnik ausgezeichnet – verfasst von jungen Akademikern an Hochschulen und Universitäten der Regionen Bonn, Aachen und Koblenz sowie den Bundeswehruniversitäten. Der Preis ist mit einem Gesamtvolumen von 20.000 Euro dotiert.

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Titelfoto: © Stefan Veres