IT-Konsolidierung Bund: Triebfedern und Herausforderungen

Die „IT-Konsolidierung Bund“ ist beschlossene Sache. Bis 2022 sollen sowohl Betrieb als auch Dienste von Bundesverwaltung und Behörden vereinheitlicht werden. Auf dem Zukunftskongress Staat und Verwaltung 2017 sprachen Vertreter von Bund, Ländern und IT-Dienstleistern über Treiber und Hürden des Mammutprojekts.

Ein Projekt von historischer Bedeutung

Die Konsolidierung der Bundes-IT ist zweifelsohne ein gigantisches IT-Projekt, der Größenordnung nach allerdings nicht ungewöhnlich. In der Privatwirtschaft gibt es Vorhaben auf vergleichbarem Niveau. In der Versicherungs- oder Finanzindustrie sind Konsolidierungen mit über 20.000 Serverinstanzen keine Seltenheit. Das was jetzt jedoch auf Bundesebene geschehe, so Dr. Mario Walther, IT-Strategieberater bei Accenture, sei von historischer Bedeutung. „Denn bei der IT-Konsolidierung Bund ist die Komplexität weitaus höher. Hier geht es nicht um einen Industriekonzern, sondern um mehr als 150 Behörden mit mehreren Tausend Mitarbeitern. Die Notwendigkeit zur ressortübergreifenden Zusammenarbeit macht dieses Projekt politisch extrem anspruchsvoll.“

„Natürlich wollen wir Synergieeffekte erzielen, aber das ist nicht das Wichtigste. Unsere Leitmotive sind IT-Sicherheit, Datenschutz und Beherrschbarkeit der Informationstechnik.“

– Rolf Krost, Gesamtprojektleiter IT-Konsolidierung des Bundes, Bundesministerium des Innern

Bisherige Modernisierungen der Bundes-IT haben nie strukturell etwas geändert. Jetzt werde das erste Mal ein transformativer Ansatz verfolgt, der die IT von der Basis her modernisiere. Danach werde das IT-Leistungsangebot nicht mehr mit 150 Behörden abgestimmt werden müssen, sondern mit wenigen zentralen IT-Dienstleistern wie BWI oder ITZBund, die Dienste und Infrastruktur über die Cloud zur Verfügung stellen.

Sicherheit vor Synergie: Hauptgründe für die Konsolidierung

Für die Bundespolitik sprach MdB Dr. Reinhard Brandl, ordentliches Mitglied im Haushaltsausschuss. Losgelöst von der Wirtschaftlichkeit sei das erste Anliegen bei der IT-Konsolidierung Bund die Beherrschbarkeit der Bundes-IT. Sicherheit, auch vor Angriffen, sei einer der zentralen Treiber, ebenso der Datenschutz. „Fast alle großen IT-Anbieter“, so Brandl, „steigen von Kauf- auf Mietmodelle um. Für den Betrieb einer gemieteten Software ist also immer eine Interaktion mit den Servern des Herstellers notwendig. Als Bund haben wir da Bedenken.“ Der Gesamtprojektleiter für die IT-Konsolidierung des Bundes, Rolf Krost, verdeutlichte: „Natürlich wollen wir Synergieeffekte erzielen, aber das ist nicht das Wichtigste. Unsere Leitmotive sind IT-Sicherheit, Datenschutz und Beherrschbarkeit der Informationstechnik. Wir wollen 1.200 Betriebsstätten konsolidieren. Es fällt schwer, sich vorzustellen, wie man ein gleichmäßiges Level an IT-Sicherheit in einem so zerstreuten Gebilde gewährleisten soll. Das zeitnahe Einspielen von Patches beispielsweise ist da kaum zu machen. IT-Sicherheit ist also eine Haupttriebfeder.“ Eine „Bundescloud“ soll unter anderem Datensicherheit gewährleisten.

Standardisierung ist erfolgsentscheidend

Eine zentrale Aufgabe im Projekt IT-Konsolidierung Bund – aber auch für das Projekt Bundesportal – ist die Standardisierung der Bundes-IT. Dazu hat Krost mit seinem Team eine Architekturrichtlinie verfasst. Die Resonanz bei den Ressorts sei positiv. Die erwarteten Kämpfe zur Durchsetzung von Standards fänden nicht statt. Stattdessen sehe man einen sehr konstruktiven Prozess. „Es sieht also so aus, als gäbe es ein Bedürfnis nach diesen Standards. Hier kommen wir sehr gut voran.“

Foto: (c) shutterstock/Dabarti CGI

Alle Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*