Intelligent Things: Smarter als smart?

Unser Leben wird automatisiert: Smart Watch, Smart Home, Smart Life. Hinter diesen Schlagwörtern verbergen sich Technologien, die unseren Alltag vereinfachen und bereichern sollen. Sie öffnen die Jalousien automatisch mit dem Klingeln des Weckers, sie heizen im Winter die Wohnung hoch, wenn wir auf dem Nachhauseweg sind und sie sagen uns, wann wir mal wieder Sport treiben sollten.

Das Internet der Dinge ist zur Realität geworden und es wächst stetig. Zentral sind dabei viele verschiedene Geräte, die miteinander vernetzt sind und kommunizieren: Intelligent Things. Sie sind alle Spezialisten auf ihren Gebieten, besitzen Sensoren, verknüpfen sich miteinander, messen, was unserer Wahrnehmung entgeht und nehmen uns damit viele kleine Aufgaben in unserem Alltag ab. Die Schaltzentrale, in der alles zusammenläuft und die Messergebnisse aufbereitet werden, ist dabei oft unser Smartphone – auch ein Intelligent Thing. Aber was wird eigentlich das „next big thing“ sein?

Machine Learning ist der Techniktrend Nummer 1

Künstliche Intelligenzen (KI), die Wissen in neuronalen Netzen verwalten, werden in Zukunft immer weiter in unser alltägliches Leben wandern. Auch Smartphones, die noch smarter werden und stetig dazu lernen, gehören zu den bedeutendsten Technologietrends. Alle großen Hersteller wollen mit dabei sein, denn der Markt ist relevant: Prognosen zeigen, dass sich der Umsatz mit Unternehmensanwendungen im Bereich Künstliche Intelligenz weltweit bereits 2019 nahezu verdoppelt und 2020 mehr als vervierfacht.

Nicht ohne Grund treiben erste Entwickler seit letztem Jahr die technologische Weiterentwicklung in diesem Bereich voran und verbauen spezielle KI-Chips in ihren Smart Devices. Diese Hardware ermöglicht beispielsweise eine zuverlässige Gesichtserkennung der Nutzer oder die intelligente Bildsteuerung beim Fotografieren.

Technologisch handelt es sich dabei um eine Recheneinheit, die bei bestimmten Tasks schneller arbeiten kann als bisherige Chips (CPUs, GPUs) und gleichzeitig in einer neuronalen Architektur aufgebaut ist. Diese „Neural Processing Unit“ – kurz NPU – kann somit Aufgaben, die mit der schnellen Analyse und Auswertung von Daten zu tun haben, eigenständig übernehmen. Ohne dazu die Rechenleistung des gesamten Smartphones zu beanspruchen. Zukünftig sind mit dieser Technologie viele Einsatzmöglichkeiten denkbar, beispielsweise die intelligente Spracherkennung und Übersetzung unabhängig vom Internet.

Intelligent Things können Leben retten

Das Smartphone ist jedoch nur eines von vielen Beispielen für Intelligent Things, die unser Leben erleichtern sollen. Ein weitaus spezifischeres Einsatzfeld können wir im Krankenhaus finden. Unter anderem im amerikanischen Miami Children’s Hospital kommt bereits seit einigen Jahren eine Technologie zum Einsatz, die mit Hilfe von tragbaren Sensoren überprüft, wann sich das Pflegepersonal die Hände desinfiziert. Weitere Sensoren, die in den Patientenzimmern angebracht sind, kontrollieren den individuellen Hygienestatus der Pflegekräfte. Wenn das medizinische Personal die Patientenzimmer ohne saubere Hände betritt, gibt der tragbare Sensor ein Vibrationssignal als Erinnerung. Eine Technologie, die vor allem beim Einsatz im Intensivpflegebereich Leben retten kann.

Ebenso hilfreich für die menschliche Gesundheit ist ein smarter Aufsatz für Asthma-Inhalatoren. Dieses Intelligent Thing wird über den Druckmechanismus des Inhalators befestigt und registriert dadurch jede Benutzung. Die Patienten müssen nicht mehr händisch Protokoll über ihre Medikation führen, sondern können übersichtlich in einer Smartphone-App ablesen, wie oft und wann sie den Inhalator benutzt haben. Durch die gesammelten Daten wird automatisch analysiert, welche möglichen äußeren Einflüsse, wie beispielsweise das Wetter, die Symptome der asthmatischen Erkrankung beeinflussen. Und auch Medikamentenboxen sind smart geworden. Damit man die Einnahme der Tabletten nicht vergisst, schreiben sie sogar Erinnerungs-SMS und rufen an.

Intelligent Things im Haushalt

Neben dem medizinischen Bereich finden Intelligent Things natürlich weitere Einsatzfelder in unserem Haushalt. Smarte Öfen erkennen, was gekocht werden soll und überwachen die Garstufe der Zutaten. Kaffeemaschinen denken mit und können, nach vorheriger Zeitplanung per Smartphone, selbständig Kaffee zubereiten. Und intelligente Batterien ermöglichen es, den analogen Rauchmelder mit dem Smartphone zu steuern.

Auch bei der Abfallentsorgung können wir von Intelligent Things profitieren. Ultraschall-Sensoren an Mülltonnen messen das Müllaufkommen und berechnen intelligente Routen für die Sammelfahrzeuge. Gleichzeitig profitieren die Besitzer der Mülltonnen von den Sensoren, mit deren Hilfe sie ihren Abfallverbrauch übersichtlich erfassen können.

In Zukunft ist noch mehr möglich

In vielen Bereichen werden Intelligent Things zu kleinen Helfern, die fleißig Daten sammeln und für uns interpretieren. Doch mit fortschreitender technologischer Entwicklung werden die Geräte noch zu viel mehr im Stande sein. Ein Aspekt, der sich bereits entwickelt und in Zukunft wohlmöglich eine größere Rolle spielen wird, ist die eigenständige Vernetzung von Intelligent Things im Haushalt mit Unternehmen. So lernt der Kühlschrank die Einkaufsgewohnheiten seines Besitzers und bestellt zu vorher definierten Budgets eigenständig beim Lieferservice des nächsten Supermarkts. Die kaputte Waschmaschine wiederum kümmert sich selbst um einen Technikertermin.

Auch die Größe der Vernetzung zwischen den smarten Geräten wird zunehmen. Schätzungen gehen davon aus, dass bis 2020 weltweit bis zu 21 Milliarden vernetzte Geräte existieren werden. 2016 lag diese Zahl noch bei 3,9 Milliarden. Ein weiterer Aspekt, der bei dieser Entwicklung mit in den Fokus gerät, ist die Sicherheit. 2016 tauchte die erste Malware für das Internet der Dinge auf, die eine ganze Reihe von vernetzten Geräten angriff. Es ist davon auszugehen, dass die Schäden eines einzelnen Hackerangriffs auf ein großes Netzwerk von Geräten deutlich verheerender ausfallen werden, als bisher. Es wird für die Zukunft also auch eine wichtige Herausforderung sein, mit entsprechenden Sicherheitslösungen den wachsenden Einfluss der Intelligent Things zu begleiten. Die damit verbundene Entwicklung intelligenter Sicherheitstechnologien werden wir in einem kommenden Beitrag zum Thema CARTA (Continuous Adaptive Risk and Trust Management) näher beleuchten.

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Fotos: © Wenjie Dong/iStock

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