Green IT – Digitaler Klimaschutz in der Verwaltung

Klimaerwärmung ist und bleibt ein brandaktuelles Thema. Der Trend geht zu Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und nachwachsenden Rohstoffen. Wie kann die Verwaltung ihren Beitrag dazu leisten? Mit Green IT sollen Emissionen und Energiebedarf gesenkt werden. Bund und Länder gehen bereits mit gutem Beispiel voran.

Eine Kehrseite der Digitalisierung ist der steigende Energiebedarf der Informations- und Kommunikationstechnik (IKT). Vor allem Rechner, Rechenzentren und Server verbrauchen weltweit riesige Energiemengen und verursachen damit hohe CO2-Emmissionen. Eine enorme Belastung für Klima und Umwelt. Green IT soll dabei helfen, den Energiebedarf zu reduzieren.

Zu den größten Stromfressern im IKT-Bereich zählen die Datenzentren. Trotz zunehmend effizienterer Technologien wird ihr Energiebedarf aufgrund des enormen Anstiegs an Speicherkapazitäten auch in Zukunft weiter zunehmen. Im Jahr 2008 verursachten die Rechenzentren rund 1,8 Prozent des Gesamtstromverbrauchs in Deutschland. Seitdem erhöhte sich der Bedarf um weitere 15 Prozent – Tendenz steigend. Die deutschen Server und Rechenzentren benötigen umgerechnet bereits vier mittelgroße Kohlekraftwerke für ihre Stromversorgung. Ein weiteres müsste hinzukommen, um den steigenden Bedarf in Zukunft zu decken. Green IT könnte dies verhindern mit dem Ziel einer ressourcenschonenden Nutzung der IKT über die gesamte Wertschöpfungskette. Gleichermaßen hat die digitale Technologie auch das Potenzial, zur Effizienzsteigerung beizutragen und damit Energiesparmaßnahmen zu fördern. In diesem Fall spricht man von „Green through IT“.

Kühlsysteme haben größten Energiebedarf

Smartphones, Cloud Computing, das Internet der Dinge und Big Data sind nur einige Trends, die die Nachfrage nach Rechenzentren erheblich steigern. Dabei sind die Server selbst gar nicht die Hauptstromverbraucher, sondern die dafür erforderlichen Kühlsysteme. Die dafür eingesetzte Technik ist oft schon in die Jahre gekommen und kaum effizient. Doch alleine die Klimatisierung von Rechenzentren zu verbessern, reicht natürlich nicht aus.

Häufig sind Serversysteme nicht ausgelastet, werden oftmals sogar nur auf „Sparflamme“ genutzt. In einem solchen Fall ist es sinnvoll, einen Teil der Server in einer Art Stand-by-Betrieb zu nutzen. Durch die Zusammenführung von Systemen per Virtualisierung lassen sich außerdem Server und Rechenzentren reduzieren. Mit einer längeren Nutzungsdauer der Geräte wird die Umwelt ebenfalls entlastet: Eine Studie des Umweltbundesamt hat herausgefunden, dass die vom IT-Rat des Bundes empfohlenen Mindestnutzungszeiten von etwa drei Jahren bei Laptops zu kurz ist. Sie empfehlen die Geräte mindestens doppelt so lange in Gebrauch zu nehmen. Die Herstellung von Geräten benötigt viel Energie und Rohstoffe und ist damit eine große Umweltbelastung. Gleichzeitig werden wichtige Rohstoffe wie Edelmetalle verbraucht. Die längere Nutzung bedeutet auch eine Kostenersparnis für die Verwaltung, schließlich sind Neuanschaffungen teuer.

Damit Geräte aber auch länger genutzt werden können, ist natürlich Qualität Voraussetzung. Die Umweltzeichen „Blauer Engel“ oder „Energy Star“ liefern Kriterien für solche Standards. Höhere Anschaffungskosten werden durch den längeren Einsatz und Sparsamkeit in der Summe ausgeglichen.

Bundesinitiative zeigt grüne Erfolge

Das Thema Green IT hat bis vor zehn Jahren noch kaum jemanden interessiert. Seitdem ist jedoch ein Bewusstseinswandel zu erkennen, denn Energieeffizienz und Klimaschutz gewinnen stetig an Bedeutung. Bereits 2008 wurde die Green-IT-Initiative des Bundes ins Leben gerufen. Zwei große Ziele hatte sich die Bundesverwaltung auf die Fahne geschrieben: Reduktion des IT-bedingten Energieverbrauchs um 40 Prozent bis zum Jahr 2013 sowie Aufnahme des Energieverbrauchs aller größeren Neuinvestitionen über deren Betriebsdauer in die Beschaffungskriterien. Als 2013 die Ziele mit fast 48 Prozent übertroffen wurden, verlängerte die Bundesverwaltung die Initiative.

„Die Green-IT-Initiative hat sich als voller Erfolg erwiesen. Sie zeigt beispielhaft, welche Steigerung der Energieeffizienz in diesem Bereich möglich ist, wenn die Beteiligten konzentriert an einem Ziel arbeiten. Das ist ein Vorbild, auch für viele Unternehmen der Wirtschaft.““

Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium

Die Green-IT-Maßnahme des Bundes hat eine besondere Bedeutung, schließlich trägt die Bundesverwaltung selbst zu einem großen Teil zum Gesamtenergieverbrauch bei. Darüber hinaus hat sie eine Vorbildfunktion für Länder, Unternehmen und Bürger. Baden-Württemberg ist bereits 2010 nachgezogen, mit einer eigenen Nachhaltigkeitsstrategie. Darin ist vorgesehen, die Landesverwaltung bis 2040 weitgehend klimaneutral zu stellen. Das bedeutet auch, falls die Freisetzung von CO2 nicht vermieden werden kann, durch Aufforstung oder mit Investitionen in regenerative Energiequellen das freigesetzte Kohlendioxid zu kompensieren. Mittlerweile haben sich auch Hessen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit Green-IT-Initiativen angeschlossen.

Welche Maßnahmen sind jedoch notwendig, um eine Green-IT-Strategie umzusetzen? Eine klimaneutrale Verwaltung ist natürlich ein komplexes und ambitioniertes Vorhaben, das ganzheitlich betrachtet werden muss. Die Norm DIN EN ISO 50001 unterstützt Unternehmen dabei, dieses auszuarbeiten. Die Ergebnisse der Green-IT-Implementierung wurden außerdem in Leitfäden von Bund und Baden-Württemberg zusammengefasst. Demnach ist zunächst ein Energie-Monitoring notwendig, um den Anteil der IT am Energieverbrauch zu ermitteln. Mit dieser Grundlage lässt sich ein systematisches Energiemanagement aufstellen. Davon ausgehend werden IT-Equipment, Kühlsysteme, Stromversorgung und Büroumgebung unter nachhaltigen Energiesparfaktoren analysiert.

Nachhaltig mit System

Green IT bedeutet nicht nur, durch sparsame Geräte ein wenig Strom zu sparen – es fließen auch Faktoren wie Mitarbeiterschulung mit ein, energieeffiziente Infrastrukturen, Recycling oder energiebewusstes Gebäudemanagement. Durch das Internet der Dinge und intelligente Systeme können Geräte, Gebäude und Energiepläne effizient überwacht werden. Eine optimale Energienutzung ist dann kein organisatorischer Aufwand mehr, sondern integraler und automatisierter Bestandteil der Green IT.

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Titelbild: © Creative-Touch/iStock
Foto Jochen Flasbarth: © BMUB/Thomas Imo

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