Digitale Ökosysteme: Netzwerk gewinnt

Airbnb, Amazon, Spotify & Co. haben gezeigt, wie Plattformen den Markt erobern. Nahezu alle Branchen können von diesen digitalen Ökosystemen profitieren – wenn sie den Mut haben, grundlegende Strukturen zu ändern. Und wenn sie es schaffen, auch die Plattformen untereinander zu vernetzen.

Wie Plattformen wie Airbnb & Co. grob funktionieren, wissen wir alle. Doch warum klappt die Zusammenarbeit zwischen Händlern, Herstellern, Logistikunternehmen, Bezahlanbietern und Kunden so gut? Zwei Dinge sind entscheidend: zum einen eine digitale Infrastruktur, die bei allen Beteiligten weite Teile automatisiert und sie miteinander vernetzt. Zum anderen eine intelligente Software, die im Hintergrund die Prozesse und Daten analysiert und autonom handelt, beispielsweise Online-Datenbanken konsultiert und basierend auf den Ergebnissen Empfehlungen ausspricht. Beides zusammen nennt sich digitales Ökosystem.

Die ersten Theorien zur umfassenden Vernetzung gab es schon vor mehr als 20 Jahren. Damals schrieb James F. Moore im Harvard Business Review, dass sich innovative Unternehmen nicht im Vakuum entwickeln können – sondern kooperative Netzwerke zwischen Partnern, Lieferanten und Kunden aufbauen sollten. Heute ist seine Prognose aktueller denn je: Wer sich nicht umfangreich vernetzt, hat schnell das Nachsehen im Markt. Dann geht es ihnen wie heute schon vielen Einzelhändlern und Reisebüros in den Innenstädten, die sich von Amazon, Expedia & Co. vom Markt drängen ließen.

Doch auch bei den Unternehmen, die den Schritt in die Digitalisierung gewagt haben und Teil eines digitalen Ökosystems sind, läuft noch nicht alles rund: Laut einer Studie von Accenture schaffen nur zehn Prozent der Unternehmen mit digitalen Ökosystemen Wachstumsraten von mehr als fünf Prozent. Woran liegt das?

Die Netze müssen sich vernetzen

Möglicherweise nutzen viele Unternehmen zwar die Kontakte und Netzwerke, die sie durch digitale Ökosysteme erreichen, verändern ihr Geschäftsmodell aber nicht so, dass sie den heutigen Standards gerecht werden. Erfolgreiche Unternehmen haben sich längst dahingehend gewandelt, dass der Kundenwunsch im Mittelpunkt steht. Anstatt sich auf starre Lieferketten zu verlassen, die nicht unbedingt den Bedürfnissen der Kunden entsprechen, verlagert sich die Welt zu einem . Kunden, die von diesen digitalen Ökosystemen bedient werden, wollen ihre Produkte oder Dienstleistungen schnell und genau so, wie sie es wünschen. Unternehmen, die diese Wünsche nicht erfüllen, werden scheitern.

Ein weiteres Problem ist die Vielzahl an Plattformen: Ähnlich wie beim Thema Smart Home gibt es viele verschiedene Anbieter – und die meisten betreiben erstaunlich geschlossene Systeme. Das führt die Idee der umfassenden Vernetzung ad absurdum: Digitale Ökosysteme müssen so offen sein, dass sie miteinander verbunden werden können.

Digitale Ökosysteme im Einsatz

Seit kurzem vernetzt Volkswagen mit Volkswagen We seine Autos – untereinander und mit externen Dienstleistern. So lassen sich verschiedene Services anbieten: die Anzeige der Treibstoffpreise der nächstgelegenen Tankstelle beispielsweise oder eine Paketlieferung in den Kofferraum. Das ist für die VW-Kunden ein prima Service. Noch besser wird er, wenn auch der Tankstellenbesitzer weiß, ob sich der Kunde vorab via Volkswagen We über die Tankstellenpreise informiert hat oder ob er einfach so vorbeikommt. Denn dann kann er sein Angebot danach ausrichten und auf VW-Kunden zuschneiden. Digitale Ökosysteme dürfen also keine Einbahnstraße sein.

Ein weiteres Beispiel: Die meisten Gemeinden und Städte haben inzwischen eigene Online-Plattformen für die Bürgerdienste. Manche, wie die Stadt Gauting beispielsweise, bieten hier noch deutlich mehr Services als andere: Ihre Bürger können sogar die Turnhalle online buchen oder Schulweghelfer anfordern. Perfekt und deutlich profitabler wären solche Portale allerdings, wenn man hierbei auch gleich die Stadtwerke, den öffentlichen Nahverkehr und Ticketservices anbinden würde. Bürger und Touristen könnten dann direkt alles rund um die Stadt an einer Stelle finden, die Betreiber und Partner könnten ihr Verkehrssystem mit den Ticketverkäufen von Veranstaltungen abgleichen und besser planen. Selbstverständlich sollten dann nicht nur der Plattformbetreiber Zugriff auf die Datenanalysen haben, sondern auch die Partner, Dienstleister und Lieferanten. Wissen alle, was welcher Kunde will, können auch sie ihr Angebot anpassen, der Kunde bleibt zufrieden und der Ertrag steigt für alle Beteiligten. Richtig rund läuft ein Ökosystem erst dann, wenn alle mit von der Partie sind.

Idealer Kreislauf

Im Idealfall funktioniert ein digitales Ökosystem wie ein Kreislauf, der für alle Beteiligten Vorteile bringt. Auch wenn heute bereits einige Unternehmen Teil eines digitalen Ökosystems sind: Ihr Geschäftsmodell haben bislang nur wenige konsequent in diese Richtung umstrukturiert. So sind noch lange nicht alle Potenziale ausgeschöpft – doch je mehr sich vernetzen, je mehr neue innovative Ansätze dadurch entstehen, desto erfolgreicher wird das Netzwerk.

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Fotos: © metamorworks/iStock

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