Digitale Konvergenz: Was die Verteidigungsindustrie von anderen Branchen lernen kann

Die Digitalisierung macht auch vor der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie nicht halt. Digitale Synergien sind jetzt gefragt, sagen der Bundesverband der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie e.V. (BDSV) und das Anwenderforum für Fernmeldetechnik, Computer, Elektronik und Automatisierung (AFCEA) Bonn e.V. Also haben beide die wichtigsten Akteure aus Politik, Bundes-IT und Wirtschaft eingeladen, um Ideen auszutauschen. Wir waren dabei.

Digitale Technologien sind zu einem so selbstverständlichen Teil unseres Lebens geworden, wie der Strom aus der Steckdose. Überall steckt IT drin. Diese rasante Entwicklung führt bisher getrennte Industrien zusammen – wir sprechen von „digitaler Konvergenz“. Und die betrifft auch die Sicherheits- und Verteidigungsbranche. Welche Marktpotenziale entstehen, wenn Rüstungsindustrie und IT verschmelzen? Welche Fähigkeiten braucht es dafür? Diese Fragen standen im Fokus des Konvents zur Digitalen Konvergenz in der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie am 26. März in Berlin. Und das hatte einige Überraschungen zu bieten.

Vom Videospiel zum militärischen Einsatz

Was beispielsweise hat das Online-Videospiel Fortnite auf einem Event wie diesem zu suchen? Warum schauen sich 250 Teilnehmer vor Ort ein Football-Spiel an? „Viele der Entwicklungen lassen sich auf die Streitkräfte und die öffentliche Verwaltung übertragen“, sagt Mark Fox, der bei Amazon Web Services für den Bereich Global Defence Programs zuständig ist.

Ein Multiplayer-Game wie Fortnite etwa benötigt eine Hochgeschwindigkeitsverbindung – und eine IT-Architektur, die eine massive Vernetzung erlaubt. Hier gibt es Zugriffszahlen, die man sonst eher von Cyberattacken nach dem Prinzip Distributed Denial of Services (DDoS) kennt. Dabei wird ein Server von dermaßen vielen Client-Anfragen überflutet, dass er unter der Last zusammenbricht. Ein Fortnite-Server muss mit einer solchen Last klarkommen können.

Bei der Live-Übertragung von Sportereignissen wiederum fallen inzwischen weit mehr Daten an, als ein einzelner Videostream. Unzählige Kameraperspektiven und 360-Grad-Aufnahmen werden übertragen. Auch, um daraus Echtzeit-Statistiken grafisch aufbereitet ins Live-Bild einzublenden. Das ermöglicht eine präzise taktische Aufklärung – die nicht nur im Sport wichtig ist.

Sicherheit mit Vorsicht angehen – und mit Partnern

Ein weiteres Beispiel regte zum Nachdenken an: Polizei und Militär könnten heute die Gesundheitsdaten von Einsatzkräften oder Soldaten jederzeit im Blick behalten. Dafür genügten kostengünstige, mit Sensoren ausgestattete Geräte, die sich vernetzen lassen und eine Echtzeitauswertung ermöglichen. Während Kriminalhauptkommissar Peter Vahrenhorst forderte, solche Szenarien pragmatisch umzusetzen, mahnte Andreas Könen zur Vorsicht. Der Abteilungsleiter CI im Bundesministerium des Innern betonte, dass bei solchen Vorhaben die IT-Sicherheit nicht vernachlässigt werden dürfe.

Die IT-Sicherheit ist in Zeiten des Connected Cars auch für die Automobilindustrie ein wichtiges Thema. BMW verbaue beispielsweise in einem einzigen Auto 155 Steuergeräte von bis zu 50 Herstellern, sagte Dr. Maik Böres, Teamleiter Future Mobility bei BMW. Um die Geräte abzusichern, sei zunächst ein Risk Assessments des Quellcodes nötig. Für Marcel Taubert, dem Leiter der Division Verteidigung beim Sicherheitsexperten secunet, sind das klare Parallelen zu Streit- und Sicherheitskräften. „Auch hier geht es beim Thema IT-Sicherheit um Leben und Tod.“ Und noch eine Gemeinsamkeit sieht er: Ein sicheres, erfolgreiches Gesamtsystem erfordert die Zusammenarbeit zwischen Partnern. So, wie beim IT-Projekt HERKULES: Hier hätten viele Partner gemeinsam mit der BWI an einem Strang gezogen, sagte Taubert. Ein Erfolgsfaktor, den BWI-CEO Hans-Jürgen Niemeier auch für die Zukunft unterstrich: „Es ist nicht möglich, alles selbst zu machen.“

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Titelfoto: © BDSV