Bundestagswahl: Welche Bedrohung durch Hacker gibt es?

Es wird wieder gewählt in Deutschland. Doch seit den Manipulationsvorwürfen bei der US-Wahl 2016 und den Cyberattacken auf den Präsidentschaftskandidaten Macron befürchtet man auch hierzulande, dass sich Hacker in die Bundestagswahl einmischen könnten. Wie real ist die Bedrohung?

In Deutschland wählen wir noch manuell: Mit einem Stift machen wir Kreuzchen auf einem Blatt Papier. Trotzdem herrscht die Angst davor, dass Angreifer sich in den Wahlvorgang einmischen könnten. Experten zufolge ist diese Befürchtung zwar begründet, jedoch eher unwahrscheinlich.

Diese Szenarien gibt es:

1. Durch Fake News werden gezielt Falschmeldungen gestreut

Die gezielte Streuung von falschen Nachrichten hat das Ziel, die politische Stimmung zu manipulieren. So machte beispielsweise 2016 ein Zitat der Politikerin Renate Künast auf Facebook die Runde. Es sorgte für großes Aufsehen – zunächst wegen der angeblichen Aussage an sich, und anschließend, weil sich die Politikerin selbst dazu äußerte und Strafanzeige sowie Strafantrag stellte: Das Zitat war frei erfunden. Dazu wurde es mit einer falschen Quellenangabe verbreitet. Im digitalen Zeitalter ist es leichter geworden, Falschnachrichten gezielt zu platzieren und über soziale Netzwerke zu verteilen. Experten sind jedoch der Meinung, dass Fake News in Deutschland einen schlechteren Stand haben. Zum einen sei der Informationsstandard hierzulande relativ hoch. Zum anderen genießen die hiesigen Medien wie große Zeitungen und TV-Sender ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit, und Falschmeldungen schaffen es dort nur selten hinein.

2. Hacker greifen die Software an, mit der Wahldaten übermittelt werden

Zwar läuft die Wahl in Deutschland noch immer papierbasiert ab. Trotzdem erfolgt die Übermittlung der Daten an den Bundeswahlleiter zum Teil auf elektronischem Weg. Anfang September zeigte ein IT-Spezialist auf, wie er es schaffte, die Software PC-Wahl zu hacken. Mit diesem Programm werden nach Auszählung der Stimmen bei der Bundestagswahl die Daten von den Ländern an den Bundeswahlleiter übermittelt. Der Angreifer demonstrierte, wie er in den Prozess eingreifen konnte. Die Länder wurden nun dazu angehalten, Updates zu installieren, die die Sicherheitslücken schließen. Selbst wenn es zu einem solchen Zwischenfall kommen würde, kann das Wahlergebnis selbst nicht manipuliert werden. Dazu herrschen zu viele Kontrollmechanismen, wie der telefonische Gegencheck der übermittelten Daten und die Möglichkeit, auf die Wahlniederschriften zurückzugreifen.

3. Angreifer attackieren offizielle Webseiten

Ein weiteres Szenario: Offizielle Webseiten, wie beispielsweise die des Bundeswahlleiters werden gehackt und dort falsche Informationen veröffentlicht. Beispielsweise über einen falschen Wahlausgang oder zu Formalia, wie den Öffnungszeiten der Wahllokale.

Aus diesem Grund beobachtet das Bundesministerium für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) schon jetzt rund um die Uhr die Lage. Auffälligkeiten werden so sofort registriert und Gegenmaßnahmen können ergriffen werden. Außerdem hält es „erweiterte Krisenreaktionskapazitäten für eventuelle Vorfälle bereit“, so BSI-Präsident Arne Schönbohm zum Spiegel.

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4. Verbreitung von persönlichen Daten von Politikern

Hillary Clinton war 2016 in ihrem Wahlkampf davon ebenso betroffen wie der damalige französische Präsidentschaftsanwärter Emanuel Macron wenige Monate später: Hacker verschafften sich Zugriff auf ihre privaten Accounts und leakten persönliche E-Mails. Das Ziel: den Kandidaten Schaden zufügen. Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen hält es nicht für ausgeschlossen, dass Kandidaten noch im Vorfeld der Wahl diskreditiert werden. Die Behörde prüft deshalb stündlich die gängigen Portale, auf denen solche Leaks zu erwarten wären.

5. Die Stimmenauszählung stören

Die IT-Infrastruktur solange mit tausenden von Anfragen bombardieren, bis sie überlastet ist und aufgibt: Nach diesem Mechanismus funktionieren „Denial of Service (DOS)“-Angriffe. Bei der Bundestagswahl könnte das mit Rechenzentren geschehen, die die Daten digital verarbeiten. Die Folge: Die Stimmenauszählung würde sich verzögern, das Ergebnis erst sehr verspätet feststehen und somit bei den Wählern Zweifel an deren Gültigkeit säen. Aus diesem Grund sind bei der Bundestagswahl drei Rechenzentren involviert. Fiele eines aus und müsste vom Netz genommen werden, wären die anderen beiden noch ausreichend für die Auszählung der Hochrechnungen.

Foto: © Angela Rohde/shutterstock
Foto Hacker: © GlebStock/shutterstock

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