Blockchain – Vertrauensarbeit für die digitale Verwaltung

Sicherer organisationsübergreifender Datenaustausch und maximale Transparenz: Blockchain gilt als eine der Schlüsseltechnologien für den digitalen Staat. Estland ist dabei Vorreiter. Auch die Bundeswehr experimentiert mit der Technologie für die eigene Fahrzeugflotte. Immer geht es auch um den vertrauensvollen und nachvollziehbaren Umgang mit Daten.

Die Digitalisierung von Behördengängen sehen die meisten Bürger eher skeptisch. Laut Bitkom glauben nur 30 Prozent der Internetnutzer daran, dass der Staat vertrauensvoll mit persönlichen Daten umgeht. Wie aber Vertrauen auf den Weg bringen? Eine Antwort ist Blockchain. Das zeigt auch der aktuelle Bitkom-Studienbericht. Knapp 90 Prozent der Befragten nannten die Vertrauensbildung und Effizienzsteigerung als Top-Gründe für den Einsatz der Blockchain. Das starke Interesse und das vielfältige Potential der Technologie wurde kürzlich auch auf dem Blockchain-Thementag der Fraunhofer-Gesellschaft in Berlin eindrucksvoll unter Beweis gestellt. 

Blockchain erschwert Datenmissbrauch

Die Idee der Blockchain-Technologie ist, dass Daten dezentral verschlüsselt gespeichert und dabei miteinander „verkettet“ werden. Dies erlaubt es beispielsweise Lebensmittelkonzernen, die Lieferkette und den Herkunftsort von Nahrungsmitteln zu überwachen oder bietet Bankkunden sichere mobile Zahlvorgänge.

Durch eine Blockchain ist es weitaus schwieriger ist, Daten zu „hacken“ oder unberechtigte Kopien zu erstellen. Weil die Daten fortlaufend aufeinander aufbauen und miteinander verknüpft werden, ist es so gut wie unmöglich, sie zu manipulieren. Blockchain kann also auch dem Staat helfen, bei den Bürgern Pluspunkte für einen vertrauensvollen Umgang mit den anvertrauten Daten zu sammeln.

Um die Erprobung und Einführung aktiv voranzutreiben, hat die Bundesregierung erst kürzlich eine Blockchain-Strategie auf den Weg gebracht. Sie definiert konkrete Handlungsfelder und rückt beispielsweise die Förderung von Reallaboren und die Umsetzung von konkreten Anwendungsbeispielen in den Fokus.

Blockchain im Staatsdienst: Estland ist digitaler Vorreiter

Einige Behörden und Staaten arbeiten bereits mit Blockchain. Ein digitaler Vorreiter ist beispielsweise Estland. Hier funktionieren die Regierungsnetze seit 2012 mit der dieser Technologie, was die Vorgänge zwischen Staat und Bürgern transparenter macht.

Auch das estnische Gesundheitswesen nutzt Blockchain: Medizinische Dokumente werden in einer elektronischen Patientenakte gespeichert. Mittels Blockhain-Technologie wird gewährleistet, dass es keine Manipulationen der Aufzeichnungen geben kann.

In der Schweiz erprobt die Stadtverwaltung Zug Blockchain für elektronische Abstimmungen, kurz als E-Voting bezeichnet. Bürger, die eine digitale ID haben, konnten sich so beispielsweise im September 2018 auf ihrem Smartphone an einer Pilotumfrage beteiligen und das manipulationsfreie Voting testen. Geplant ist auch, die Technologie für den Radverleih oder die städtische Bibliothek einzusetzen.

Infobox: Was ist Blockchain?

Eine Blockchain ist im Prinzip eine verteilte Datenbank mit mehreren absolut identischen Kopien aller Inhalte. Sie schafft es, Vorgänge in chronologischer Reihenfolge unveränderbar und nachvollziehbar zu speichern und miteinander zu verketten. Die Blockchain-Technologie wurde auf breiter Basis erstmal in Form einer Kryptowährung genutzt und ermöglicht es, Transaktionen direkt zwischen Anbieter und Nutzer sicher abzuwickeln. Lesen Sie dazu auch „Blockchain: Chance für sichere Transaktionen“ .

Bundeswehr erprobt Blockchain für die Fahrzeugflotte

Auch die Bundeswehr experimentiert mit Blockchain, zum Beispiel im eigenen Fuhrparkmanagement. Um die umfangreiche zivile und militärische Fahrzeugflotte zu organisieren, sind oft sehr komplexe Vorgänge zu erfassen. Bisher kommen an verschiedenen Stellen noch Papier, Stempel und Kugelschreiber zum Einsatz, um den formalen Erfordernissen zu genügen. Als Teil des staatlichen Handelns muss der Einsatz von Fahrzeugen autorisiert und die Nutzung nachvollziehbar sein. Denn schließlich geht es um militärisches Gerät mit dem berühmten „Y“-Kennzeichen – vom handelsüblichen Pkw bis hin zu Lkw mit Tarnfleck oder Panzern. Im Prozess geht es beispielsweise um die Ausstellung und Genehmigung von Fahrbefehlen für konkrete Fahrzeugtypen und Einsatzzwecke, die Prüfung der dafür notwendigen militärischen oder zivilen Führerscheinklassen oder die Bestellung und Bereitstellung der notwendigen Fahrzeuge durch das Fuhrparkmanagement. Mit Fahrtantritt muss der Fahrer jederzeit nachweisen können, dass er genau dieses das Fahrzeug jetzt fahren darf. Beispielsweise beim Verlassen einer Kaserne an der Wache oder bei einer Kontrolle durch Feldjäger außerhalb einer Kaserne.

Blockchain soll also dabei helfen, diese Abläufe umfassend zu digitalisieren und zu erleichtern. In enger Kooperation mit dem BwFuhrparkService und IBM entstand ein Prinzip-Demonstrator inklusive einer mobile App, der eindrucksvoll zeigt, wie der Prozesse von Bestellung bis Nutzung von Fahrzeugen beschleunigt und vereinfacht werden können. Dies ermöglicht vielfältige Einsparungen: weniger Aufwand und Arbeitszeitbedarf für alle betroffenen Personen.

Komplett digitale Prozesse und Infrastruktur für Blockchain nötig

Durch die lückenlose, unveränderbare Historie liefert Blockchain bislang unerreichte Transparenz. Bürger und Unternehmen könnten beispielsweise ihre digitale Identität für verschiedene Behörden freigeben und transparent nachvollziehen, wann welche Behörde auf die Daten zugegriffen hat. Damit die Technologie ihre volle Wirkung erzielen kann, ist eine sichere Infrastruktur nötig. Auch müssten behördliche Prozesse komplett digital abgebildet und der rechtsstaatliche Rahmen für den Blockchain-Einsatz konkretisiert werden. Es ist also noch einiges zu tun. Die BWI arbeitet derzeit an weiteren Anwendungsfällen, die von dem Einsatz der Blockchain-Technologie stark profitieren können.

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Titelbild: © matejmo/iStock