Betrug 4.0: Was Ämter gegen Cyberkriminalität tun können

Ob Banken oder Behörden: Organisationen, die Milliarden zur Auszahlung bringen müssen, sind von jeher Ziel für Betrüger. Die Digitalisierung eröffnet auch diesen neue Möglichkeiten. Erich Maierhofer, Spezialist für Enterprise Fraud Management bei der Bundesagentur für Arbeit, gibt Einblicke in die Gegenstrategien seiner Behörde.

Die Schattenseite der Digitalisierung

Jährlich 200 Millionen Buchungen tätigt die Bundesagentur für Arbeit (BA) allein zur Auszahlung von Arbeitslosengeld und Arbeitslosengeld II. Menschen, die an diese Leistungen der BA kommen wollen, ohne dazu berechtigt zu sein, gab es schon immer. Mit dem digitalen Wandel jedoch ergeben sich neue technologische Möglichkeiten, und, so Maierhofer: „Wenn es neue Technologien gibt, wird es Menschen geben, die sie kriminell einsetzen.“ Ein besonders eindrückliches Beispiel für digitalen Diebstahl stammt aus dem Jahr 2014. Über 100 Banken in 30 Ländern waren betroffen, etwa eine Milliarde Euro wurde erbeutet. Nicht auf einmal, sondern über zwei Jahre hinweg. Die Kontrollsysteme haben nichts davon bemerkt.

Sozialbetrug – Was sich mit der Digitalisierung geändert hat

Schon vor der digitalen Revolution war es mit den zur Verfügung stehenden Kopiertechniken sehr gut möglich, Urkunden zu fälschen. Allerdings bestand noch eine eindeutige Beziehung zwischen Akten und realer Identität eines Klienten. Mit der zunehmenden Digitalisierung von Dienstleistungen der BA sind Identitäten jedoch nicht mehr so einfach zu überprüfen. Ein Umstand, der laut Maierhofer die organisierte Kriminalität auf den Plan gerufen hat. Kriminelle Vereinigungen benutzen die Identitäten von Menschen mit niedrigem Arbeitseinkommen, um an Sozialleistungen zu kommen. Manchmal sogar ohne das Wissen der Betroffenen. Aber auch Einzelne nutzen diese Möglichkeiten, um mit mehreren Identitäten mehrfach Leistungen zu beziehen. Und diese Art des Betrugs ist nur eine Seite der Medaille. Auch interne Betrugsfälle gab es: Mitarbeiter der BA nutzten ihr Insiderwissen, um sich selbst Geld zu überweisen. Einer dieser Fälle war es, durch den die BA im Jahr 2012 auf das Problem Betrug 4.0 überhaupt erst aufmerksam wurde. Eine Mitarbeiterin hatte die Kontrollsysteme umgangen und das Berliner Jobcenter um 280.000 € erleichtert. Der Hinweis einer Bank brachte die Agentur auf ihre Spur.

„Wenn es neue Technologien gibt, wird es Menschen geben, die sie kriminell einsetzen.“

– Erich Maierhofer, Leiter Enterprise Fraud Management, Bundesagentur für Arbeit

Eine Gegenstrategie: Datenanalyse

Der Berliner Fall war die Initialzündung. Die BA gründete im Herbst 2012 die Abteilung Enterprise Fraud Management (EFM) mit Erich Maierhofer an der Spitze. EFM-Verfahren filtern mittels Datenanalyse unregelmäßige Finanztransaktionen aus der Masse der Daten und helfen so, Betrugsfälle aufzudecken. Das BA-Team startete ein Pilotprojekt. War es möglich, die Spuren des Berliner Falls im Nachhinein als betrügerisch zu identifizieren? Der Versuch verlief erfolgreich und bis 2015 wurden mit diesen einfachen Mitteln bis zu 30 interne Betrugsfälle identifiziert. Zuletzt wurde die Zuständigkeit der Abteilung auch auf externe Fälle erweitert.

Die Voraussetzungen für den Erfolg

Für den Kampf gegen den digitalen Betrug sind nach Maierhofer vor allem drei Dinge nötig: Expertise, die Fähigkeit, unkonventionell zu denken und die richtige Organisationsstruktur. Für den Aufbau der richtigen Expertise werden Jahre benötigt, auch um ein tiefgreifendes Verständnis der zu überwachenden Prozesse aufzubauen. Von Anfang an absolut notwendig allerdings ist die volle Unterstützung der Organisation. Besonders Behörden, so Maierhofer, verlangten meist von vorn herein den Nachweis, dass sich ein Projekt rechne. In hochdynamischen Bereichen wie der Digitalisierung, bei denen man nicht wisse, wie sie sich morgen entwickeln, sei das naturgemäß schwierig. „Auch wir“, so Maierhofer, „haben viele Fehler gemacht, die wir aber überhaupt nicht voraussehen konnten.“ Im Nachhinein aber könne man von einer wahren Erfolgsgeschichte sprechen.

Titelfoto: © ESB Professional/shutterstock
Artikelfoto: © Bundesagentur für Arbeit

Alle Kommentare (2)

Redaktion
2017-06-10 | 09:12
Hallo Herr Riesenhuber, dazu liegen uns leider keine Angaben vor.
Hans-Peter Riesenhuber
2017-28-09 | 16:27
Wie viel von der Milliarde ist recovered?

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