An der Schwelle zur Smart City?

Viele Städte wollen digitaler werden. Doch wie fit urbane Zentren tatsächlich für den Sprung in die Zukunft sind, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Das Fraunhofer Institut hat einen Index entwickelt, der genau diese Faktoren empirisch messbar macht. Sie sollen Lokalpolitikern helfen, die Weichen für eine zukunftsorientierte Stadtentwicklung zu stellen.

Bessere Wohnverhältnisse, niedriger Ressourcenverbrauch, gewinnbringender Umgang mit der Digitalisierung – die Städte von morgen sollen all die Herausforderungen von heute hinter sich gelassen haben. Metropolen wie Berlin oder Stuttgart arbeiten deshalb daran „Smart Cities“ zu werden.

Doch der Weg dorthin gleicht einer Mammutaufgabe. Forscher der Morgenstadt-Initiative am Fraunhofer Institut für Arbeit und Organisation (IAO) haben deshalb eine Methode entwickelt, die Kommunen dabei unterstützen soll, die richtigen Impulse für eine positive Stadtentwicklung einzuleiten: den Morgenstadt City-Index (M:CI).

So funktioniert der Index

Die Wissenschaftler untersuchten Vorreiterstädte auf der ganzen Welt, wie Kopenhagen, Tokio, Singapur oder auch Freiburg. Dabei fanden sie heraus, dass deren Zukunftsfähigkeit maßgeblich auf vier Säulen basiert: der Lebensqualität, der Resilienz (also der Widerstandsfähigkeit gegen plötzliche Veränderungen), der Umweltgerechtigkeit und der Innovationskraft.

„Wir haben dann Indikatoren definiert, die am besten und möglichst objektiv den Zustand einer Stadt in diesen Bereichen messen“, erklärt der Leiter des Morgenstadt-Projekts, Alanus von Radecki in einem Infopapier. Die Armutsquote, der Wasserverbrauch oder Treibhausgase sind beispielsweise Faktoren, die bei der Entwicklung urbaner Zentren entscheidend sind. Insgesamt gibt es 28 solcher Faktoren. Die Einzigartigkeit des Index liegt dabei darin, dass er die Stadt im Ganzen abbildet, anstatt nur auf einzelne Aspekte einzugehen.

Mit einem Wert von 43,2 aus möglichen 60 Punkten zählt Freiburg zu den innovativsten Städten Deutschlands.

Schwarmstädte im Vergleich

Mithilfe des M:CI haben die Forscher bereits 50 sogenannte „Schwarmstädte“ analysiert – urbane Ballungszentren, die sich durch einen besonders starken Zuwachs von jungen Menschen im Alter zwischen 20 und 34 Jahren auszeichnen. Im Vergleich entstehen so aussagekräftige Daten.

Die 28 Indikatoren des Morgenstadt City-Index am Beispiel Berlin. Quelle: Morgenstadt City Index

Beispielsweise sind Frankfurt am Main und Düsseldorf sehr resiliente Städte, während die Stärken von Heidelberg oder Münster in der hohen Lebensqualität liegen. Bricht man den Vergleich auf Indikatoren-Ebene herunter, werden die Einblicke detaillierter: So hat München insgesamt eine hohe Lebensqualität, jedoch klaffen die einzelnen Indikatoren weit auseinander. Die Lebenserwartung ist hier die höchste der untersuchten Städte, jedoch besteht Nachholbedarf im Ausbau von Grünflächen.

„Wenn wir zehn Jahre lang etwas machen würden, ohne von Externen Bestätigung zu bekommen, wüssten wir gar nicht, ob wir auf dem richtigen oder falschen Weg sind.“

– Katrin Herold, Stadtplanungsamt Karlsruhe

Mehr Einblicke – gezieltere Entwicklung

Aber wie genau profitieren Kommunen von den Ergebnissen? Bürgermeister, Stadträte und andere Entscheidungsträger können sich am Index orientieren, so von Radecki: „Die Forschung kann wertvolle Innovationen mit den Bedarfen der Stadt abgleichen und ihr bei der Entscheidungsfindung und bei der Umsetzung mit Rat und Tat zur Seite stehen.“

In Zeiten umfangreicher Veränderungen im öffentlichen Raum ist das wichtig. Wo sind wir bereits zukunftsorientiert aufgestellt? Wo herrscht Nachholbedarf? Der Index könnte Verantwortliche dabei unterstützen, den Zukunftsstand ihrer Stadt richtig einzuordnen. Notwendige Entwicklungen können gezielter vorangetrieben und das Projekt „Stadt von morgen“ schneller verwirklicht werden.

Titelbild: (c) davidcreacion/iStock
Diagramm-Grafik: (c) Morgenstadt City Index

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