5G bei der Bundeswehr: Daran arbeitet die BWI

Mit der 5G-Auktion hat der Bund einen Rekorderlös erzielt. Nach der zwölfwöchigen Versteigerung ist der Netzausbau in Deutschland in vollem Gang. Weniger medienwirksam, aber noch bedeutsamer ist 5G für die Digitalisierung der Bundeswehr. Ein Einblick in die Ziele der Truppe und die Rolle der BWI.

6,5 Milliarden Euro. So viel haben die vier deutschen Netzbetreiber Telekom, Vodafone, Telefonica und Drillisch für die 5G-Frequenzen gezahlt. Das sind 1,5 Milliarden mehr als das Finanzministerium ursprünglich erwartet hatte. Zwar wurden die ersten 5G-Standorte bereits in Betrieb genommen, bis Bundesbürger jedoch flächendeckend etwas davon haben, wird es noch dauern. Auch, weil nach den kostspieligen Auktionsrunden weniger Geld für den nötigen Netzausbau bereitsteht.

Im internationalen Vergleich hinkt Deutschland in puncto 5G ohnehin hinterher. Die USA beispielsweise haben die Technologie zu einer Sache der nationalen Sicherheit erklärt: Hier treibt der Staat den Ausbau des neuen Mobilstandards voran – nicht private Betreiberfirmen. So lassen sich unliebsame Anbieter wie Huawei (denen die USA weiterhin Spionage vorwirft) am einfachsten aussperren. Tatsächlich könnten heute bereits diverse Länder eine flächendeckende 5G-Versorgung anbieten. Könnten. Denn praktisch mangelt es schlicht an den nötigen Endgeräten.

Ein Segen für Industrie und Smart City

Doch selbst, wenn es sie gäbe: Die Bürger sind nicht die wichtigste Zielgruppe von 5G. In der Theorie sind die Geschwindigkeitsvorteile der Technologie gegenüber dem LTE-Netz zwar immens. Für die meisten privaten Anwendungsfälle aber sind sie schlicht nicht erforderlich.

Wesentlich mehr bringt die fünfte Generation für mobiles Internet und Telefonie da schon der Industrie und dem öffentlichen Sektor. Das „Industrial Internet of Things“, also die Vernetzung von industriellen Anlagen, Geräten und der passenden Software, erfordert extrem geringe Latenzen bei niedrigem Energieverbrauch. Genau hier kann 5G gegenüber seinen Vorgängern punkten. Ebenso wichtig sind sehr kurze Reaktionszeiten für Smart-City-Anwendungen. Wenn sich Verkehrsleitsysteme etwa dynamisch dem aktuellen Geschehen anpassen sollen, dann brauchen sie dafür die nötige Datenbasis – und zwar sofort.

Ein Schlüssel für die Digitalisierung der Bundeswehr

Die Bundeswehr hat bereits frühzeitig begonnen, das Potenzial der 5G-Technologie für die eigenen zivilen und militärischen Zwecke zu untersuchen. Daran beteiligt ist Matthias Lenz, Leiter Mobility Services bei der BWI. Mit seinem Team untersucht und erprobt er mögliche Anwendungsszenarien. „Wir planen gerade an vereinzelten Standorten der Bundeswehr und der BWI prototypische lokale 5G-Funkzellen aus – mit Verbindung ins öffentliche 4G- oder 3G-Netz. Noch möchten wir damit vor allem Erfahrungen sammeln“, sagt Lenz.

Die Schwierigkeit liegt nicht im Aufbau der Technologie, sondern in der Konnektivität: „Wir müssen eine dauerhafte Funktion der Kommunikation sicherstellen, über Gerätegenerationen hinweg. Interoperabilität ist entscheidend.“ Tatsächlich wird das mit dem Aufkommen jeder neuen Mobilfunkgeneration komplexer. „In der Truppe gibt es viele Geräte, die nur 3G unterstützen. Andere senden ausschließlich über 4G, wieder andere können beides“, erklärt der Mobility-Experte der BWI. „Wie muss die Infrastruktur der Bundeswehr konzipiert sein, um die Kommunikation langfristig zu gewährleisten? Also zukunftsorientiert und zugleich abwärtskompatibel? Für solche Fragen arbeiten wir an Lösungen.“ 5G ist dafür eine wesentliche Schlüsseltechnologie. Es geht aber um weit mehr.

„Unsere Aufgabe ist es, die Digitalisierung der Bundeswehr voranzutreiben. 5G ist da nur ein Baustein, der mit vielen anderen harmonisch zusammenspielen muss. Wir müssen das Gesamtsystem befähigen.“

Matthias Lenz, Leiter Mobility Services

So setzt die Bundeswehr noch stark auf klassische Funktechnologie. Alle Kommunikationsmittel durch neueste Gerätetechnik zu ersetzen, ist ebenso unrealistisch wie unnötig. Ziel ist vielmehr, einen Datenaustausch zwischen neuen Übertragungstechnologien und anderen Geräten zu ermöglichen. Digitalen Funkgeräten beispielsweise – oder der Fahrzeugtechnik.

Denn auch die Konnektivität ihres Fuhrparks will die Bundeswehr steigern. „Wir statten gerade erste Fahrzeuge mit 5G-Chips aus. Da geht es um eine Vielzahl unterschiedlichster Gerätetypen“, so Lenz. Ein mögliches Szenario umfasst autonome Fahrzeuge, die sich im Verbund gegenseitig über Staus oder Unfälle informieren und dann eine andere Route wählen. Somit würden zivile Nutzungsszenarien adaptiert.

Ein anderes ist die Versorgungslogistik im Militäreinsatz. Von wo sollten wann welche Lkw losfahren, um welche Menge an Ausrüstung wo bereitzustellen? Für die Antwort braucht es künftig keinen Menschen mehr. Vernetzte Transportfahrzeuge erfassen und übermitteln permanent und in Echtzeit aktuelle Statusinformationen. So können die Fahrzeuge selbst die perfekte Logistik berechnen und dynamisch anpassen.

Treiber für militärisch-taktische Innovation

Generell spielt 5G eine wichtige Rolle im Programm „Digitalisierung landbasierter Operationen (D-LBO)“. Damit will das Bundesverteidigungsministerium die IT-basierte Kommunikation von der untersten taktischen bis zur obersten strategischen Ebene sicherstellen.

„Bei einem militärischen Einsatz werden heute zig Gigabyte an Aufklärungsdaten erfasst – von Satelliten, Drohnen oder der klassischen Luftüberwachung“, erklärt Matthias Lenz. „Diese Informationen müssen sofort bereitstehen. Die Operationszentrale braucht sie natürlich, um schnell taktische Entscheidungen treffen zu können. Noch wichtiger sind sie aber für die Soldaten, die gerade angegriffen werden.“

„Wenn Informationen nicht sofort zur Verfügung stehen, kann das über Leben und Tod entscheiden.“

Matthias Lenz, Leiter Mobility Services

Ein Ziel von Bundeswehr und BWI ist daher, ganze Verbände zu digitalisieren. Eine Einheit soll ihre Informationen so nicht ausschließlich über die Operationszentrale erhalten, sondern auch untereinander verzögerungsfrei Daten austauschen können. Aber wie kann das in Einsatzgebieten funktionieren, die mobilfunktechnisch nicht erschlossen sind?

Schlüsselfaktor Mesh

Bislang platziert die Truppe dazu mobile Antennen im Feld, beispielsweise montiert auf einem Lkw. Ein taktischer Nachteil: Will der Feind die Mobilfunk-Kommunikation stören, muss er dafür nur einen einzigen Punkt attackieren. Mit 5G soll das anders werden.

Lenz fasst die Idee vereinfacht zusammen: „Mithilfe von Mesh-Technologie kann prinzipiell jeder Mobilfunkempfänger auch zum Sender im Gesamtsystem werden – also zu einer eigenen mobilen Antenne. Fällt ein Gerät aus, bricht die Datenverbindung nicht ab. Die anderen Geräte springen einfach ein.“ Diese Ausfallsicherheit ist für viele 5G-Anwendungsfälle entscheidend.

Zwar ist Mesh noch nicht Bestandteil des offiziellen 5G-Standards. Noch in diesem Jahr soll es aber soweit sein. Dann wiederum sind die Hersteller gefordert, die technischen Möglichkeiten in Geräte zu „gießen“.

Bis dahin wird die BWI mit ihrer 5G-Erprobung weiter vorangeschritten sein. Und von der Prototypen- in die nächste Phase übergehen. „Das alles passiert nicht in ein paar Wochen“, resümiert Lenz. „Aber am Ende dürfte 5G der Bundeswehr deutlich mehr bringen als dem privaten Bürger.“

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Titelfoto: © jo youngju/iStock

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